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| 16:09 Uhr

Zukunftsmusik für Cottbus
Am Staatstheater Cottbus wird neu besetzt

Wer wird künftig in diesem schönen Haus den Ton angeben?
Wer wird künftig in diesem schönen Haus den Ton angeben? FOTO: dpa / Patrick Pleul
Cottbus. Zukunftsmusik: Zum Ende des Monats läuft die Bewerbungsfrist für Intendanz und Generalmusikdirektor aus. Von Ida Kretzschmar

Das Staatstheater will wieder zum Wunderland werden. Das hat nicht nur die Ballettpremiere am Samstag zum Saisonauftakt anschaulich unter Beweis gestellt.

Zunächst aber muss neu besetzt werden. Denn: Vorausgegangen war in der vergangenen Spielzeit eine ungeplante Götterdämmerung. Unüberbrückbar schienen die Gräben zwischen dem Generalmusikdirektor (GMD) und den Musikern und Sängern. Der Theaterdonner um den Führungsstil des GMD führte nicht nur zur Kündigung von Evan Alexis Christ. Auch der Geschäftsführende Verwaltungsdirektor musste gehen. Der Intendant trat zum Ende der Spielzeit zurück.

Christ, der eigentlich einen Vertrag bis 2024 an Brandenburgs einzigem Staatstheater hatte, wehrte sich vor Gericht gegen die Kündigung. In der vergangenen Woche wurde nun das Arbeitsgerichtsverfahren mit Evan Alexis Christ abgeschlossen. Beide Seiten haben sich in einem Vergleich auf die Beendigung ihres Vertragsverhältnisses zum 31. Juli 2018 geeinigt, informierte die Brandenburgische Kulturstiftung Cottbus-Frankfurt (Oder): „Herr Christ und die Brandenburgische Kulturstiftung freuen sich, dass sie die Differenzen aus der jüngeren Vergangenheit erfolgreich ausräumen konnten und nunmehr zu einer Einigung gekommen sind“, erklärte die Stiftung. Über den Inhalt des getroffenen Vergleichs wurde Stillschweigen vereinbart. „Die Stiftung und die Leitung Staatstheater Cottbus danken Herrn Christ für seine 10-jährige künstlerische Tätigkeit als Generalmusikdirektor am Staatstheater Cottbus. Unter seiner Leitung wurden viel beachtete musikalische Höhepunkte erreicht. Hierzu gehören richtungsweisende Programminnovationen und Konzertformate, CD-Produktionen und internationale Tourneen des Orchesters des Staatstheaters Cottbus. Diese Arbeit fand viel Anerkennung. Unter anderem wurde dem Orchester unter der Leitung von Herrn Christ im Jahr 2011 vom Deutschen Verlegerverband das beste Konzertprogramm aller deutschen Orchester bescheinigt. Die Stiftung wünscht Herrn Christ für seine weiteren musikalischen und künstlerischen Vorhaben viel Erfolg“, hieß es in der Erklärung, die auch im Theater für alle Kollegen ausgehängt und mit der persönlichen Anmerkung von Interimsintendant René Serge Mund versehen wurde: „Zu jedem Satz und jedem Wort der vereinbarten Presseerklärung stehe ich persönlich ohne Wenn und Aber.“

Auch Volker Schenck, Vorsitzender des künstlerischen Personalrates freut sich, dass es eine Einigung gibt. „Sie bringt Ruhe ins Ensemble. Wichtig ist, dass uns bei der Suche nach einem neuen Generalmusikdirektor die alten Konflikte nicht belasten. Und die Kosten nicht zulasten des Theaters gehen, wie es uns die Kulturministerin zugesagt hat“, unterstreicht er nachdrücklich.

Auf Nachfrage bestätigt Martina Münch der RUNDSCHAU: „Es bleibt bei der Kernaussage: Seitens des Landes sind keine Kürzungen am regulären Etat des Staatstheaters geplant.“ Niemand müsse Sorge haben, dass geplante Inszenierungen oder Arbeitsplätze dadurch gefährdet sind.

Über die Höhe der Kosten gibt es keine Auskunft. Auf die Frage, wer sie übernimmt, antwortet Serge Mund: „Dazu gibt es Verhandlungen mit den Zuwendungsgebern.“ Die Kunst soll wieder die Hauptrolle am Staatstheater spielen, so hat er versprochen, als er nach dem Rücktritt von Martin Schüler und der Kündigung von Martin Roeder die Geschäfte übernahm. Seit dem 1. August hat er einen Zwei-Jahres-Vertrag als Geschäftsführender Verwaltungsdirektor. Gleichzeitig ist er Interims-Intendant des Staatstheaters Cottbus, bis ein neuer Intendant oder eine neue Intendantin gefunden ist. Kapellmeister Alexander Merzyn ist als Interims-GMD eingesetzt.

Serge Mund ist zufrieden, dass er sich jetzt auf die Zukunft konzentrieren kann.

Bis Ende des Monats läuft die Bewerbungsfrist für einen neuen Generalmusikdirektor und einen neuen Intendanten. „Rund 50 Bewerbungen für das Amt des GMD gibt es schon, und je näher der 30. September rückt, umso mehr werden es“, glaubt er. „Fast jeder Dirigent im Programmheft zu den Philharmonischen Konzerten ist ein Kandidat“, macht er aufmerksam. Das Ende der Bewerbungsfrist bedeute noch keine endgültige Entscheidung. Musiker helfen bei der Findung. Auch die Meinung der Sänger werde gehört. Das Orchester habe ein Stimmrecht und gebe eine Empfehlung. Die Entscheidung liege bei ihm. Wobei der Stiftungsrat der Einstellung nach Gesetz und Satzung zustimmen muss, fügt Stephan Breiding, Sprecher des Brandenburgischen Kulturministeriums, hinzu. „Einen Kandidaten zu nehmen, der bei der Orchesterabstimmung durchgefallen ist, wäre wohl keine kluge Entscheidung“, macht René Serge Mund deutlich. Er hoffe, dass Anfang der nächsten Spielzeit ein neuer Orchesterleiter gefunden ist, es könne aber auch länger dauern. „Finden wir ihn nicht, wird das Spiel fortgesetzt“, sagt er.

Serge Mund wurde vom Stiftungsrat der Brandenburgischen Kulturstiftung zudem beauftragt, die Intendanten-Suche so vorzubereiten, dass in Personalunion gleichzeitig auch die Stelle des Operndirektors besetzt werden kann. Den neuen Intendanten soll besondere Teamfähigkeit in der Zusammenarbeit mit allen Sparten auszeichnen, so der Auftrag des Stiftungsrates. Der Personalrat werde an der Auswahl beteiligt.

Die Bewerbungen nimmt der Stiftungsrat entgegen, der nach Sichtung zum Monatsende eine Findungskommission zusammenstellen wird, teilt Stephan Breiding mit. Die Brandenburgische Kulturstiftung Cottbus-Frankfurt (Oder) wird bis zur Neuberufung eines Intendanten gemeinsam von René Serge Mund und Ulrike Kremeier, Direktorin des Brandenburgischen Landesmuseums für moderne Kunst, geleitet.