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| 02:48 Uhr

"Besonders besorgt mich jetzt die Lage der Tibeter"

Der chinesische Exilschriftsteller Liao Yiwu wird am 14. Oktober mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt.

Die RUNDSCHAU sprach mit dem 54-jährigen Regimekritiker in Berlin.

Haben Sie die Hoffnung, dass sich durch den Friedenspreis für Sie die Situation von Künstlern in China verbessern könnte?
Das glaube ich nicht. In meinen Augen gibt es keine Hoffnung für dieses Land. Aber ich denke, dass der Friedenspreis dazu beitragen kann, die Wahrheit über das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989 zu verbreiten. In meinem neuen Buch "Die Kugel und das Opium" berichte ich über Augenzeugen und Angehörige der Opfer. Ich hoffe, dass sich sehr viele Menschen für diese Wahrheit interessieren.

Freuen Sie sich über den Preis?
Ehrlich gesagt: Ich empfinde es jetzt noch mehr als eine Verpflichtung, mich gegen Unterdrückung und Gewalt zu stellen. Seit ich von der Entscheidung der Jury weiß, habe ich mich bei vielen Veranstaltungen und mit vielen Appellen für die Freiheit anderer eingesetzt. Besonders besorgt mich die Lage der Tibeter. Inzwischen haben sich dort mehr als 50 Menschen aus Protest gegen das kommunistische chinesische Regime verbrannt.

Wie hat sich die Situation in China seit Ihrer Ausreise im vergangenen Jahr entwickelt?
Das sieht man am Beispiel Tibet sehr gut. Im Grunde ist es genau das Gleiche, was 1989 passiert ist. Wer nach Demokratie ruft, bekommt eine Kugel geschenkt oder wird erschossen, und dann redet er nicht mehr über Demokratie. Stattdessen gibt man dem Volk Opium: Es soll das Geld lieben und nur an der Wirtschaft interessiert sein.

Mit Liao Yiwu

sprach Nada Weigelt