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| 18:17 Uhr

Zum Tod von Bernd Storch
Ein Senftenberger geht von Bord

Szene aus der Serie „Zur See“ mit Bernd Storch (sitzend), dahinter Günter Schubert, der einen Matrosen spielt, und Horst Drinda als Kapitän.
Szene aus der Serie „Zur See“ mit Bernd Storch (sitzend), dahinter Günter Schubert, der einen Matrosen spielt, und Horst Drinda als Kapitän. FOTO: Jens R¸mmler
Senftenberg. Erinnerungen an den Schauspieler Bernd Storch – der Smutje in der TV-Kultserie „Zur See“. Von Matthias Stark

Wir hätten noch einiges vorgehabt. Er wollte uns besuchen, musste diesen Besuch aber mehrfach verschieben. Und wir hatten noch einige Lesungen aus seiner Autobiografie geplant, die ich gemeinsam mit ihm herausgeben durfte.

Nun ist der Schauspieler Bernd Storch nach schwerer Krankheit im Alter von siebzig Jahren von uns gegangen. Viele Ostdeutsche kennen ihn aus seiner Rolle als Schiffskoch Detlef in der Kultserie „Zur See“ des DDR-Fernsehens. Dort jagte er bei ausgefallenem Schiffsdiesel aufgeregte Hühner und machte nachts, nur mit einem Zementsack bekleidet, die Straßen von Havanna unsicher. Und sollte mal einfach so auf hoher See einen ausgewachsenen Bullen schlachten, was er strikt ablehnte. Wann immer das Gespräch auf diese legendäre Fernsehserie kommt, taucht Bernd in seiner Rolle als Smutje sofort vor dem geistigen Auge auf. Sie machte ihn einem großen Publikum bekannt.

Im Jahr 1947 in Senftenberg geboren, machte Bernd zunächst Abi und Berufsausbildung. Sein großes Ziel aber war, Schauspieler zu werden. Schon früh hatte er als Laiendarsteller Kontakte zum Theater seiner Heimatstadt. Bereits als Student an der Schauspielschule in Berlin bekam er erste Rollen, unter anderem am Deutschen Theater und stand gemeinsam mit bekannten Schauspielern auf der Bühne. Sein erstes Engagement nach Abschluss des Studiums führte ihn ans Theater im damaligen Karl-Marx-Stadt, wo er u.a. in Stücken wie „Antigone“ oder in Brechts „Der gute Mensch von Sezuan“ spielte.

Später wurde das Fernsehen sein Medium. Auch hier brillierte er neben zahlreichen bekannten Darstellern. In vielen Filmen und Serien war Bernd Storch von nun an zu sehen. Ich erinnere an „Die Leute von Züderow“, an „Härtetest“ oder auch an einige Rollen im „Polizeiruf 110“ sowie an die berühmte Serie „Stülpner-Legende“ des DDR-Fernsehens, in der er an der Seite von Manfred Krug spielte.

Aber durch die neun Folgen von „Zur See“ hat sich Bernd Storch in besonderer Weise in die Herzen der Zuschauer gespielt. Der sächselnde Schiffskoch aus dem Erzgebirge war eine Rolle, die so recht auf das komödiantische Talent des Lausitzers zugeschnitten war. Seine Erlebnisse während der Seereise mit der „J.G.Fichte“ nach Kuba hat Bernd Storch ausführlich in seinen Lebenserinnerungen, die im vergangenen Jahr nochmals unter dem Titel „Landgang von der Fichte“ erschienen sind, geschildert. In der Serie spielte er unter anderem  an der Seite von Horst Drinda, Günter Naumann, Erik S. Klein, Günter Schubert und Jürgen Zartmann.

Nach der politischen Wende im Jahr 1989 hatte Bernd das Glück, für zwanzig Jahre Ensemblemitglied im Kabarett „Oderhähne“ in Frankfurt (Oder) sein zu dürfen. Auch hier konnte er seinem Affen Zucker geben und beispielsweise an der Seite von Dagmar Gelbke in so manchem Programm die Zuschauer zum Schenkelklopfen bringen.

Privat war der Schauspieler ein angenehmer und zurückhaltender Mensch, mit dem man bei einem Glas (alkoholfreiem) Bier gut plaudern konnte. Nun ist Bernd Storch von Bord gegangen. Er wird seinen Zuschauern in Erinnerung bleiben als einer von uns, den sein Weg von Senftenberg über zahlreiche Theaterbühnen bis nach Kuba führte.

Im Herzen war Bernd Storch ein Lausitzer Junge geblieben, der sich seinen Traum vom Schauspielerberuf erfüllt hat. Ich bin dankbar, ihn kennengelernt zu haben.

Schauspieler Bernd Storch (r.) mit Autor Matthias Stark bei einer der letzten gemeinsamen Lesungen.
Schauspieler Bernd Storch (r.) mit Autor Matthias Stark bei einer der letzten gemeinsamen Lesungen. FOTO: Matthias Stark