ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 12:42 Uhr

Berliner „Tatort“
Dr. Frankenstein lässt grüßen

Ida Kretzschmar
Ida Kretzschmar FOTO: Sebastian Schubert / LR
Das war mal wieder ein ziemlich durchgeknallter „Tatort“. Reales aus dem kalten Berlin mischt sich mit irrealen Ermittlungsmethoden und Tagträumen, die sich dann doch als Realität herausstellen. Düster das Ganze, nebulös, unheildrohend und doch im Laufe des Abends immer spannender. Ida Kretzschmar

Wie kann es sein, dass vier Tote, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, alle genetisch von der gleichen Mutter abstammen? Da hat jemand seine eigenen Geschöpfe geschaffen, was entfernt an Dr. Frankenstein erinnert. Gruselig anzusehen sind nicht nur die verbrannten Horrorleichen. Auch diese perfekte Manipulation von einem Menschen, die da vorgeführt wird. Wie dieser lauernd um sich blickende Mann mit Schnauzbart, Mütze und schwarzer Kluft im Berliner Untergrund einem Messias folgt, der ihn selbst mit ins Unglück zerrt. Christoph Bach mimt denTyp echt gänsehauttauglich. Andererseits wirken dieses weibliche Duo (keine Ahnung, warum das gerade ein Lesbenpaar sein musste, Ikone der Frauenbewegung) und das nach Einzigartigkeit gierende Söhnchen doch stark überzeichnet. Ärztin und Biogenetikerin spielen ein bisschen Göttin (oder eben doch Dr. Frankenstein?) und sorgen dafür, das Frauen, die keine Kinder bekommen können, doch welche bekommen, ohne freilich zu ahnen, dass die Eizelle eine fremde ist. Missbrauch oder Erfüllung eines Lebenstraumes? Nur eine von großen philosophischen und kriminellen Fragen, die aufgeworfen werden. Nichts gegen Denkanstöße am Sonntagabend. Aber irgendwie wünsche ich mir ein bisschen mehr Normalität von diesem neuen Berliner „Tatort“. Wo Ermittlerin Rubin alias Meret Becker zeigen kann, was sie drauf hat. Und dieser eiskalte Karow (Mark Waschke) nicht nur den Rambo spielen muss.

4c_TV Tatort ARD
4c_TV Tatort ARD FOTO: Schubert, Sebastian / LR