Was Menschen gewöhnlich in den Spreewald zieht, erweise sich für Autoren als ein Riesenproblem, stellt Jan Brandt, an die Zuhörer seiner Mittwochabend-Lesung gewandt, fest. Stille und Idylle sind für einen Roman schlecht. "Es fehlt das Abgründige", sagt der gebürtige Ostfriese, der die Deutsche Journalistenschule in München besucht hat und jetzt in Berlin lebt.

Dennoch hätten Hotels von jeher eine große Anziehungskraft auf ihn. "Ein Hotel ist ein Ort der Gemeinschaft und des Übergangs", sagt der Autor. Was er an Hotels liebt, ist das Flüchtige, das Vorübergehende. "Hier steht die Macht der Möglichkeit im Vordergrund." Der Möglichkeit, mit diesem oder jenen ins Gespräch zu kommen oder auch nicht.

Für Jan Brandt wird der vierwöchige Hotelaufenthalt zu einer Quelle der Inspiration. Sympathisch offen gibt er Einblick in das literarische Journal seiner Burger Tage.

Dabei kann es passieren, dass ein hingeworfener Satz das Interesse des Beobachters weckt und in einen bis zur Absurdität zugespitzten Dialog mündet. Wie bei dem Tiroler Paar, das beim Abendessen en passant die Spreewälder Hotellandschaft umkrempelt und dessen Gedankenexperiment in einem Saudi-Arabien im Spreewald mündet.

Nach Burg gekommen ist Jan Brandt vor allem, um für seinen neuen Amerika-Roman zu recherchieren. Im Mittelpunkt steht ein deutscher Soldat, der den Spreewald auf der Flucht vor den eigenen Truppen durchquert, um dem Wahnsinn zu entfliehen. Der Autor befragt Zeitzeugen, die sich an diesen Mann erinnern könnten. Und er findet auf seinen Ausflügen wunderschöne Bilder für die Landschaft - so wie das der "grünen Schlange ohne Kopf und Schwanz". Gemeint ist die Burger Weidenburg.

Gleich zweimal trifft er sich mit Marga Morgenstern. Der junge Autor und die alte traditionsbewusste Dame fahren mit dem "ganz großen Mercedes-Van" nach Lübben. "Nach zwei Stunden waren wir nur bis Gurkenpaule gekommen", klagt Brandt. Dabei war noch so viel anderes zu bestaunen, was jeweils für ein ganzes Kapitel getaugt hätte: der Lübbener Wappensaal, die Florentiner Eiche von Straupitz und die Schinkel-Kirche, die das ganze Land überragt.

Die beschriebene Radtour nach Byhleguhre führt über eine Allee von Linden und - der Autor unterbricht, um ein Blatt aus der Hosentasche zu holen. "Spitzeiche", souffliert ihm der Saal und applaudiert dem geglückten Versuch, Spannung in der Spreewald-Idylle anzusiedeln.

Aus nächster Spreewald-Stipendiat zieht im August Hansjörg Schertenleib in die "Bleiche". Der erfolgreiche Hörspiel-, Theater- und Romanautor wird sich am 12., 19. und 26. August in öffentlichen Lesungen vorstellen.

"Im Herbst geht das Spreewald-Literatur-Stipendium ins achte Jahr", ist von Hotelchefin Christine Clausing zu erfahren. Das sechsköpfige Vergabegremium hatte 150 Bewerbungen zu sichten, was für die Beliebtheit des Literaturpreises spricht.

Inzwischen stehen die Spreewald-Stipendiaten des Jahrgangs 2015/2016 fest. Den Anfang macht Lucy Fricke. Die gebürtige Hamburgerin hat die Romane "Durst ist schlimmer als Heimweh" und "Ich habe Freunde mitgebracht" veröffentlicht. Ihr folgt der Berliner Drehbuchautor Michael Proehl. Die Drehbücher des Adolf-Grimme-Preisträgers werden in Film und Fernsehen seit 2001 erfolgreich produziert.

Im Anschluss erhält Dr. Klaus Cäsar Zehrer die Möglichkeit, den Spreewald intensiv zu erleben. Der freie Schriftsteller, Herausgeber, Übersetzer und Journalist aus Berlin spielt in der deutschen Fußballnationalmannschaft der Schriftsteller und schreibt zurzeit an seinem ersten Roman.

Den Reigen beschließt die freie Schriftstellerin und Regisseurin Christiane Neudecker. 2005 erschien ihr Erzähldebüt "In der Stille ein Klang", 2008 ihr erster Roman "Nirgendwo sonst".