Am 8. Oktober 1981 präsentierte das Gewandhausorchester in seiner neuen Spielstätte Beethovens 9. Sinfonie unter der Leitung seines damaligen Kapellmeisters Kurt Masur. Ihm und der jahrhundertealten Tradition des Gewandhausorchesters sei es auch zu verdanken, dass das Neue Gewandhaus der einzige reine Konzerthausneubau in der DDR wurde, erzählt der heutige Gewandhausdirektor Andreas Schulz.

„Masurs Kontakte nach Berlin und seine Hartnäckigkeit haben dem Gewandhausorchester nach 40 Jahren provisorischer Spielstätte am Zoo wieder ein Dach geschenkt.“ Masur nahm den Chef architekten Rudolf Skoda mit auf Reisen, führte intensive Gespräche über die Akustik des neuen Hauses. „Diesen Vorbereitungen ist es zu verdanken, dass wir uns heute nicht verstecken müssen“, erklärt Schulz. Der Große Saal biete auf allen 1900 Plätzen ein ausgezeichnetes Hörerlebnis. Der Bau selbst darf zu den Großtaten der DDR gezählt werden. 130 Millionen DDR-Mark flossen in das Gebäude, hinzu kam eine Million aus dem Westen. Ursprünglich war in Leipzig gar kein eigenständiges Konzerthaus geplant. Vielmehr sollten die Gewandhausmusiker im Auditorium maximum der Universität spielen. Da beim Neubau der Uni aber das Geld für den Mehrzwecksaal ausging, war wieder die Chance für einen eigenständigen Saal da.

Das Gewandhaus ist eine ungewöhnliche Konzeption. Unter seinem Dach ist sowohl das Haus als auch das Gewandhausorchester angesiedelt. Das eine ist die Heimstatt des anderen. Schulz verweist auf die 99-prozentige Auslastung der Konzerte – und die gestiegene Zahl von 12 800 Abonnenten.