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| 19:34 Uhr

Kunst in der Lausitz
Galerie-Besucher können real in die virtuelle Realität eintauchen

Zum Teil des Kunstwerkes wird dessen Betrachter bei „Body Paint“ von Banz & Bowinkel.
Zum Teil des Kunstwerkes wird dessen Betrachter bei „Body Paint“ von Banz & Bowinkel. FOTO: LR / Jürgen Weser
Schwarzheide. In diesem Jahr begleitet das Ausstellungsprogramm der BASF in Schwarzheide mit der „Digitalen Transformation“ einen wichtigen Veränderungsprozess des Produktionsstandortes. Von Jürgen Weser

Nach Ausstellungen mit der US-amerikanischen Aktionskünstlerin Alexa Medea und mit Arbeiten des Computererfinders und Malers Konrad Zuse zeigt die finale Werkschau „The Art of Transformation – Die Kunst der Veränderung“ gleichzeitig eine Premiere, indem der Ausstellungsraum zum „Co-Working-Space“ wird.

Gleich das Foyer zur Ausstellung macht moderne Arbeitswelt deutlich. Birken und Schaukeln und beruhigendes Grün im Arbeitsraum fordern zum kreativen Arbeiten auf und zeigen eine gesunde Balance zwischen Arbeit und Freizeit. Irmgard Dietzel aus Kroppen holt bei der Führung wenige Tage nach der Ausstellungseröffnung freudvoll Schwung auf der Schaukel. Die 84-Jährige und Ehemann Hans sind regelmäßig Gäste der Ausstellungseröffnungen in der BASF. „Diesmal wollen wir uns bei der Führung die Besonderheiten digitaler Kunst noch einmal erklären lassen“, verrät das kunstinteressierte Ehepaar.

Auch die Exposition im großen Ausstellungssaal folgt dem Anliegen, dass die Gestaltung eines Raumes Kreativität im Arbeitsprozess beflügelt: mit Multifunktionsmöbeln, Chillout-Zonen und Sportgeräten. Fließend sind die Übergänge vom modernen Arbeitsplatz zur digitalen Kunst. Von den Anfängen der digitalen Kunst mit Plotterzeichnung, Grafik und Siebdruck über digitale Illustrationen, Pixelkunst und Netzwerkkunst bis zu Fine Art Print, 3D-Druck und Möglichkeiten für den Betrachter, sich selbst als Teil des Kunstwerkes mittels Smartphone oder Tablet zu generieren, finden sich alle Spielarten der Kunst, bei denen der Computer im Spiel ist. Dabei bietet die Ausstellung mit ihrer Vielfalt und der großen Anzahl an Künstlern und Künstlergemeinschaften einen Überblick über die Entwicklung der Computerkunst von 1965 bis in die Gegenwart. Die Anfänge illustrieren zum Beispiel Siebdrucke wie „Hommage á Paul Klee“ von Frieder Nake (1965) und vom Amerikaner Kenneth Knowlton (1972) und die Sehnerven verwirrenden Anblicke von „Scratch Code Mappe Nr. 2 und 3“ von Manfred Mohr 1976. Der Betrachter bestaunt die Tinte auf Papier-Arbeiten von Roman Verestko wie „Cyberflower“ (2010), die irreal anmutenden Print auf Alu-Aktdarstellungen von Gazira Babeli (2007) und Fine Art Prints (2009) von Mark Napier als Mischform zwischen sexuell aufgeladenem Akt und katalogisierender Skelettierung. Farbenrausch der besonderen Art bieten die großformatigen Tinte-auf-Leinwand-Ausdrucke von Mark Wilson, Siebren Versteeg mit „Tank A + B“ (2017) als Tinte auf Leinwand und das von Casey Reas angebotene Farbspiel als „Custom Software, Computer, Scree“ (2014). „Pfft“ als Bildtitel trifft den Eindruck des Betrachters. Künstler und Softwareentwickler sind hier dicht beieinander.

Direkt eintauchen in die Welt der digitalen Kunst lassen den Ausstellungsbesucher Arbeiten von Carla Cannis und besonders die großformatige Fine Art Print Arbeit „Body Paint“ (2018) von Banz & Bowinkel, wo sich der Betrachter eine eigene virtuelle Realität schaffen kann. Mit Digital-Illustrationen, 3D-modellierten Illustrationen und Videoinstallationen schaffen Claudio Pilla, Yvon Chabrowski und Nicolá Rupcich besondere digitale und gleichzeitig reale Welten. Die Vielfalt der Ausstellung kann nur unzulänglich beschreiben werden, der Rundgang durch die Schau bietet viele Anregungen, auch wenn man nicht Freund bildlicher, farblicher Manipulationen und Verzerrungen sein muss. Immerhin dominieren noch 80 Prozent Gemälde den Kunstmarkt, stellt Wolf Lieser von der DAM Gallery Berlin in seinem Beitrag zum begleitenden Katalog zur Beruhigung der Freunde klassischer Kunstformen fest.

Service: Öffentliche Führungen gibt es am 16. Oktober und am 20. November. Am 24. Oktober und vom 8. bis 15. November bleibt die Ausstellung geschlossen.