"Was nicht ,Cats' ist, verschwindet", sagte der Präsident des Internationalen Theaterinstituts (ITI) und Intendant des Wiesbadener Staatstheaters, Manfred Beilharz. Das immer stärker werdende Diktat des Geldes und der Abbau von Kultursubventionen bedrohe die künstlerische Vielfalt rund um den Globus. Die Folge sei die Schließung vieler Schauspielhäuser; umsatzträchtige Musicals beherrschten dann die Programmpläne weltweit.
Darstellungsformen mit langer Tradition könnten verschwinden, das Englische verdränge die jeweilige Landessprache, experimentelle Projekte fänden keine Bühne mehr. "Es wird zu einer künstlerischen Gleichform der herrschenden Ästhetiken kommen", prophezeite der Intendant. Damit verliere Theater seine Funktion als Gedächtnis einer Kultur und Spiegel der Gesellschaft.
Was der Spielkunst noch bevorsteht, sieht Beilharz im Genre Film teils verwirklicht: "Die Hollywood-Ästhetik hat viele Ausdrucksformen kleinerer Länder bereits verdrängt."
Schuld ist aus Sicht des Theatermachers die Globalisierung. "Unsere Welt wird momentan durch die Ökonomie neu definiert", sagte er. Inzwischen werde alles durch die wirtschaftliche Brille betrachtet - im Fall von Theater eben auch Dinge, die sich damit nicht fassen ließen.
"Die künstlerische Qualität ist entscheidend und nicht die Frage danach, was das Billigste ist", sagte Beilharz. Als Teil der UN-Kulturorganisation Unesco fordere das ITI eine Konvention zum Schutz der kulturellen Vielfalt. (dpa/pb)