Der Regisseur gehörte zu den von der SED-Kulturbürokratie wiederholt Gescholtenen und wurde mit Verboten abgestraft. Ende der 70er-Jahre folgte er schließlich einem Angebot in den Westen. Obwohl auch dort erfolgreich, kehrte er nach dem Mauerfall in seine alte Heimat nach Groß-Glienicke bei Berlin zurück.
Für den Film "Stein", ein melancholischer Abschied von der DDR, arbeitete Günther 1990 noch einmal bei der Defa, die kurz danach nicht mehr existierte. Mehr als 30 Streifen für Kino und Fernsehen umfasst sein Lebenswerk.
Sein Nietzsche-Projekt als krönenden Regie-Abschluss hat Günther nicht umsetzen können. Nach zehn Jahren intensiver Beschäftigung mit dem Philosophen, einem fertigen Drehbuch und einem Essay, hat er aufgegeben. Die Geldmittel für die Umsetzung fehlten. Günther, für den das Schreiben eine ebenso lustvolle Arbeit wie das Filmemachen ist, sitzt zurzeit an einem neuen Drehbuch. Der in Mecklenburg-Vorpommern angesiedelte Gegenwartsfilm zwischen Realität und Erfindung sei weder eine "Aufrechnung, noch todernst", verrät er.
Bei seiner letzten Regiearbeit, dem Fernsehfilm "Die Braut" (1999) mit Veronica Ferres als Goethe-Geliebte und spätere Ehefrau Christiane Vulpius, bewegte sich Günther auf vertrautem Parkett. 25 Jahre zuvor hatte er für seinen ersten Goethe-Film "Lotte in Weimar" sogar Lilli Palmer in den Osten vor die Kamera locken können. Mit insgesamt sechs Goethe-Filmen avancierte er zum anerkannten Kenner des Weimarer Klassikers.
Günther wurde in Schneeberg im Erzgebirge geboren. Im Schnellverfahren hatte das "förderungswürdige" Arbeiterkind in den ersten Nachkriegsjahren an der Leipziger Universität Pädagogik, Germanistik und Philosophie studiert. Im Defa-Studio Babelsberg arbeitete er sich vom Dramaturgen und Drehbuchautor zum humorvoll-ironischen Autorenfilmer hoch. War sein Regiedebüt "Lots Weib" (1964) noch durchgekommen, stand die Märchenkomödie gegen Lüge und Heuchelei "Wenn du groß bist, lieber Adam" 1965 nach dem berüchtigten 11. Plenum des SED-Zentralkomitees auf der Verbotsliste. Nach der Verfilmung von Johannes R. Bechers Roman "Abschied" (1968) wurde Günther "Modernismus" vorgeworfen.
Zum Publikumsrenner wurde "Der Dritte" (1971) über die Emanzipationsversuche einer jungen Frau mit seiner Lieblingsschauspielerin Jutta Hoffmann. Weil der Film "Die Schlüssel" (1972), eine tragisch endende deutsch-polnische Liebesgeschichte, angeblich Gefühle im Nachbarland verletzte, erhielt dieser "Exportverbot". Auch wenn Günther auf historische Stoffe auswich, waren Seitenhiebe auf die real-sozialistische Gesellschaft nicht zu übersehen. Seinen Einstand im Westen feierte er mit dem Fernseh-Siebenteiler "Exil" (1979) nach dem Roman von Lion Feuchtwanger.