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| 13:48 Uhr

Neue Schau
Zeigen, was Kunst auch alles kann

Spannungsgeladener Bezug zwischen Theo Böttgers (l.) „Cold Dreams“ und Martin Böttgers Skulptur „Mimas“.
Spannungsgeladener Bezug zwischen Theo Böttgers (l.) „Cold Dreams“ und Martin Böttgers Skulptur „Mimas“. FOTO: Jürgen Weser
Senftenberg. Ausstellung von Theo und Martin Böttger zwischen Figürlichkeit und Abstraktion im Senftenberger Schloss. Von Jürgen Weser

Die Kunstsammlung Lausitz (KSL) startet im Senftenberger Schloss in die Winterzeit und macht es den Besuchern nicht leicht. „Echos“ heißt die Ausstellung mit Bildern und Skulpturen der Brüder Theo und Martin Böttger und bewegt sich in der Auseinandersetzung von Realität und Utopie. Das unterstrichen beide Künstler als Musikduo „Moma“ zum Auftakt der Vernissage mit ihrem Sound experimenteller Musik als Mischung unterschiedlicher elektro-medial erzeugter Geräuschkulissen mit überlagerten Melodien und Stimmen.

Bagger und Abraumtechnik aus dem Bergbau schienen Einzug in den Schlosssaal gehalten zu haben, Gitarre und Mundharmonika suchten einen Sinn innerhalb düsterer Rhythmen. Rufe aus dem Hintergrund machten den Menschen als Akteur des Geschehens kenntlich.

Von ihrer speziellen Musik sehen Theo und Martin Böttger „formal ästhetische Berührungspunkte“ zu ihrer Malerei und skulpturalen Gestaltung. „Zeigen, was Kunst auch alles kann“, bezeichnete Museumsleiter Stefan Heinz das Charakteristische der Ausstellung. „In der Kunstsammlung Lausitz hat der leider zu früh verstorbene Eckhard Böttger einen bleibenden Platz inne, jetzt erstreiten sich die Söhne einen Platz“, so Kurator Bernd Gork.

Beide sind in Meißen geboren, in Klingmühl nahe dem Bergbau, und in Finsterwalde aufgewachsen. Theo hat von 1996 bis 2003 an der Hochschule für Bildende Künste Dresden studiert und in New York und Moskau andere Lebenswelten aufgesogen. Martin hat von 2004 bis 2009 visuelle Kommunikation und neue Medien an der Kunsthochschule Kassel studiert. Beide leben und arbeiten in Berlin, Theo vornehmlich freischaffend und Martin auch als Dozent an der Hochschule der Populären Künste Berlin. Für Theo ist es nach 2010 die zweite Ausstellung in der KSL, für Martin die erste.

Nahe dran an den Menschen seien beide Künstler und trügen mit ihrer Kunst Feuer in die kapitalistische Welt. Beiden Aussagen von Gork wird der Ausstellungsbesucher in der Schau versuchen näher zu kommen. Huxleys „Schöne neue Welt“ mit den Utopien einer den Menschen zum manipulierbar machenden Objekt scheint beim Rundgang durch die Ausstellung allgegenwärtig zu sein wie George Orwells Roman „1984“ als Dystopie einer düsteren Vision für die Menschheit. Kafka mit seinen undurchdringlichen Visionen lässt grüßen.

Martin Böttgers wie Installationen wirkende Skulpturen aus einem formbaren Materialmix zumeist chemischer Materialien, sowohl als 3-D Produkte wie auch mit Handarbeit geformt, lassen amorphe Gestalten und organische Details erahnen. Als Metapher für eine fehlgeleitete Menschheit können die Skulpturen ebenso gesehen werden wie die in der Ausstellung bewusst als Kontrast gehängten großformatigen farbstarken Bilder Theo Böttgers.

„Die Bilder entstehen aus zeichnerischem Grund“, beschreibt Theo Böttger seine Arbeitsweise, die mit Malerei, mit Flächen, oft kubistischen Formen, Symbolen, Elementen und Bildern spielt und in eine eigene Bildsprache transportiert.

Improvisation bestimmt den künstlerischen Entstehungsprozess bei beiden Künstlern, wenn auch bei Martin Böttgers Bildzeichnungen nach angestrengter monotoner Arbeit am PC.

Ob die künstlerische Visitenkarte von Theo und Martin Böttger durchgehend eine politische ist oder im gegenwärtigen Zeitgeist auch eine Flucht ins Unvermeidliche, muss jeder Betrachter für sich entscheiden. Und er muss eine unvoreingenommene Sicht auf das, „was Kunst auch kann“ mitbringen. Auf jeden Fall tragen beide Böttgers auf ihre Art mit ihrer Kunst Feuer in die kapitalistische Welt.

Echos – Martin und Theo Böttger. Die Ausstellung ist bis zum 13. Januar im Museum Schloss und Festung Senftenberg zu sehen. Geöffnet ist Di. bis Fr. 13 bis 17 Uhr, Sa. und So. 10.30 bis 17.30 Uhr, vom 8. Dezember bis 6. Januar täglich 10.30 bis 17.30 Uhr.