„Wuchsen einst fünf junge Mädchen schlank und schön am Memelstrand“ . . . wovon eines Eva-Maria Hagen war, die 1934 in Pommern geboren wurde. Gezeugt aus „Liebe, Lust und Leidenschaft“ , wie sie am Anfang ihres jüngsten Buches „Eva jenseits vom Paradies“ schreibt. Geboren wurde sie als zweites uneheliches Kind ihrer streng katholisch erzogenen Mutter Agnes, die wiederum eins von drei unehelichen Kindern war. Was vielleicht dem Erbgut, oder vielmehr dem Bedürfnis dieser Weiber nach Unabhängigkeit geschuldet ist. Allerdings wurde zunächst mit allerhand scheußlichen Mitteln versucht, der werdenden Eva-Maria den Garaus zu machen. „Obwohl es schade gewesen wäre um mich und die sich aus diesem Schoße entwickelnden Triebe, die originellen Pflanzen in der Nachkommenschaft“ , kommentiert sie.
Eva-Maria sinniert über ihren Namen, in dem Sünde durch Keuschheit aufgehoben wird, doch hingezogen fühlt sie sich offenbar eher zu Eva, der Mutter allen Lebens. Sie spricht von der Liebe zu Biermann, den Briefen, die sie sich geschrieben haben, und der schwierigen Zeit, in der sie nur noch in der Provinz - in Dessau, Annaberg, Zwickau - Engagements bekam. „Jahre, in denen ich viel gelernt habe“ , sagt sie rückblickend.
Bewegt erzählt und liest sie über den Sommer 45, den Sommer der Vertreibung, über die Kindheit im Krieg, über Erschütterungen und nicht wieder gut zu machende Traumata. Die Freundin Edelgard taucht auf, die ihre Puppe hinter dem Ofen versteckt hatte, um sie bei der vermeintlichen Rückkehr wiederzufinden. Doch als Edelgard und ihre Familie das Haus verließen, stand ein polnisches Mädchen - auch Umsiedlerkind weit aus dem Osten - in der Tür, die Puppe im Arm . . . Ein Bild, das die Freundin nie vergessen sollte.
Aus der kleinen Eva-Maria wurde ein junges Mädchen mit unbändigem Freiheitsdrang. Immer wieder büxt sie mit 15,16 Jahren aus, wird mit ihren Freundinnen sogar von der Polizei eingesammelt. „Aufbaustörer, Parasit, Schmarotzer“ wird sie genannt.
Nur kurz streift sie die Anfangsjahre als Schauspielerin, die Begegnung mit Brecht am Berliner Ensemble, von dem sie meinte, er sei der Techniker, in seiner bescheidenen grauen Jacke, die einer Schlosserjacke ähnelte. Immerhin spielte sie dann in Strittmatters „Katzgraben“ die Tochter eines Neubauern - fast ohne Text. „Aber ich durfte singen.“
Und das tut sie auch an diesem Abend. Neben deutschen Volksliedern, die lange verpönt waren, und von denen sie gar nicht mehr wusste, dass sie sie noch kann, auch jiddische, schwedische, russische Lieder. Es war ein wunderbarer Weiberabend - Männer waren eher rar im Publikum.
Was dem Veranstalter an Professionalität fehlte - er konnte sich offenbar noch nicht mal einen Blumenstrauß für die renommierte Schauspielerin leisten - machte Eva-Maria Hagen mit Charme wett.