Er hat die Kehrseite unserer exzessiven Lebensweise auszubaden - unseren Müll, unsere Umweltzerstörung, unsere Gier nach Billigtextilien. Lessenich hat für dieses Prinzip, den eigenen Wohlstand auf Kosten anderer zu mehren, das etwas sperrige Wort der "Externalisierungsgesellschaft" kreiert. Sein Buch "Neben uns die Sintflut" ist allerdings kein soziologisches Fachbuch, sondern eine glasklare und bittere Zustandsbeschreibung, die uns alle angeht. Denn ein Verdrängen, so Lessenich, ist nicht mehr möglich, die Verteilungskonflikte machen sich längst bemerkbar, etwa in den Flüchtlingsbewegungen. Die Armen revoltieren, denn sie sind nicht länger gewillt, die ihnen zugedachte Rolle zu akzeptieren. Lessenich zeigt ohne jede Beschönigung, was die Politik verschweigt: die Mechanismen der Ungleichheit und den Zynismus, mit dem diese verteidigt werden.

Stephan Lessenich: Neben uns die Sintflut. Hanser Verlag, 224 Seiten, 20 Euro