Oscar-Regisseur István Szabó ("Mephisto") hatte beim Festival 2012 seinen ungarischen Kollegen Kornél Mundruczó im RUNDSCHAU-Gespräch als einen der begabtesten Filmemacher seines Landes bezeichnet. Nun hat Mundruczó, der in Cottbus schon mehrfach mit seinen Arbeiten vertreten war ("Delta", "Johanna"), mit "Underdog" einen Endzeitthriller vorgelegt, der in diesem Jahr in Cannes die Sektion "Un Certain Regard" gewann und von Ungarn in das Oscar-Rennen um den besten fremdsprachigen Film geschickt wird.

Was haben wir da gesehen? Der einstige Kuschelhund der 13-jährigen Lilly wird zum Anführer eines Aufstandes der geplagten Hunde gegen die Menschen. Wer Böses tat, soll das Leben verlieren. Eine brutale, bildstarke Parabel mit 250 Hunden, ein Hohelied auf Freundschaft und Zusammenhalt, ein Aufstand gegen autoritäre Strukturen. "Aber an wen soll sich der Film wenden?", grübelt nicht nur der Cottbuser Filmemacher Donald Saischowa. "Familienkino ist das ja nicht. Und für Arthouse ist der Film zu aufwendig . . ." Es darf weiterdiskutiert werden.

Das gilt auch für die ersten vier Wettbewerbs-Spielfilme. "Die Eigentümer" des Kasachen Adilkhan Yerzhanov: Drei Geschwister kämpfen um ein Stück Zuhause in einem kasachischen Dorf, das von einer korrumpierten Elite geführt wird. "Wir alle werden sterben, also lasst uns tanzen", heißt es darin. Hier gibt es ironische Brüche an ungewohnten Stellen und einen durchaus skurrilen Humor.

"Drei Fenster und ein Strick" (Kosovo, Deutschland) von Isa Qosja: Ein Dorf im Kosovo hat den Krieg hinter sich gebracht, aber seinen Frieden längst nicht gefunden. Die Dorfschullehrerin erzählt eines Tages einer Journalistin, dass sie und drei weitere Frauen von serbischen Soldaten vergewaltigt wurden . . . Starke Hauptdarstellerin Irena Cahani.

"Die Maisinsel" (Georgien, Deutschland, Frankreich, Tschechien, Kasachstan) von George Ovashvili liegt im Grenzgebiet zwischen Georgien und Abchasien. Agab und seine 16-jährige Enkelin haben sie urbar gemacht. Aber immer wieder tauchen Soldaten auf . . . Nach 20 Minuten fällt das erste Wort, nach 53 Minuten das nächste. Das geht! Der Film funktioniert über ruhige Einstellungen und sinnliche Bilder. Und mit den wunderbaren Darstellern Ilyas Salman und Mariam Buturshvili.

"Freier Fall" (Ungarn, Frankreich, Südkorea) schließlich ist ein völlig schräges Stück. Na klar, es stammt von "Taxidemia"-Regisseur György Pálfi, dessen irre Collage "Finals Cut" 2012 das Festival eröffnete. Eine alte Frau steigt aufs Dach, springt, fällt, schlägt auf, erhebt sich wieder, geht des Weges, löst einen abgefahrenen Episodenreigen aus. Diese Ungarn, mein lieber Mann!