Weil er auf einem anderen Niveau spielt. Weil er eben nicht die platte Blödelei bietet oder den blanken Zynismus. Schneider zieht feine Ebenen ein, auf denen er nur scheinbar herumstolpert. Vieles wirkt improvisiert, einiges ist es wohl auch - aber dann gekonnt und exzellent getimet. Das Kasperle spielt, es hält den Absurditäten des Lebens seine eigene entgegen: „Die Welt ist krank, der Arzt hat frei“ „ Okay, bis der Arzt kommt - wenn überhaupt einer kommt - gucken wir uns dieses komische Krankheitsbild mal selber an, also, einige Symptome sind ja wirklich zum Brüllen!
Helge Schneiders neues Programm heißt folgerichtig „I break together“ , was eine sehr spezielle Übersetzung für „Ich brech' zusammen“ ist. Er steigt ein mit der „Supermaus“ , wäscht die Teller und die Strümpfe, spielt allein Verstecken hinter der sehr durchsichtigen Gardine und geht zur „Nagelwegreibung“ . Sagt tschüss nach dem ersten Titel, besinnt sich dann und erkundigt sich bei den Zuschauern, ob ihnen sein Konzept gefallen würde. Gibt Unterricht in Geografie, Gesellschaftskunde, Biologie: „England ist eine schöne kleine Insel links von Holland und rechts von Bolivien. Es wird von der Quenn regiert. Die Quenn ist ein hutzeliger Zwerg in Frauensachen . . . Der Arzt hat gesagt, ich soll sehr viel trinken. 3000 Liter am Tag. . . trinkt zum Beispiel ein Elefant. Der Mensch nicht ganz so viel. Aber weniger.“ Das Publikum feiert.
Der „Telefonmann“ steigt wegen eines ankommenden Anrufs aus der Wanne, gerät in der Küche „mit dem Fuß in die Bratpfanne mit Pilzen: Fußpilz“ . Schneider holt die Trompete, die ihm einst Louis Amstrong schenkte, sie ist übrigens „aus purem Blech“ . Die „Trompeten von Mexiko“ , auch vom aktuellen „I brake together“ - Album, erklingen: „Die Trompeten von Mexiko, die laden dich ein zu Kaffee und Kuchen und zu glasiertem Meerschwein“ beziehungsweise „zu aufgetautem Eisbein“ . Also „Bitte geh' nicht vorbei“ , denn „Hereinspaziert“ ist die Devise. Zwischendurch Küchenpoesie: „Die Liebe ist bei den Menschen ein hoch angesehener Gast“ . Es war von Vögeln die Rede: Was ist wohl der Plural von Ara“ Herr Schneider ist unsicher: „Aren, Arata . . .“
In der Pause hat sich der Künstler den Ranzen vollgeschlagen: „Bis zum Platzen bin ich jetzt geborsten!“ Aber er tat's ja nur, um sich wegen der bevorstehenen USA-Tournee auf die Essgewohnheiten der Amerikaner einzustellen: „Zum Frühstück erstmal 'ne ganze Herde Bratwurst“ . Zur Eroberung des Weltmarktes hat Herr Schneider sich auch ein paar Lieder in schauderhaftem Englisch aufgedrückt, etwa den Jazz-Klassiker „Fly me to the moon“ oder Elvis Presleys „Jailhouse Rock“ . Auch „französische“ und „spanische“ Weisen müssen sein.
Schneider malträtiert die Sprache(n) und die Instrumente genussvoll. Aber um dazu derart gekonnt in der Lage zu sein, muss man die Ursprungsfähigkeiten besitzen. Helge Schneider ist mit Leib und Seele Musiker, sein Programm ist so musikalisch wie lange nicht. Und er umgibt sich mit einer Klasse-Band, angeführt von Schlagzeuger Pete York. Udo Lindenberg hat auch einen Gastauftritt, allerdings versteckt unterm „Tarnkappenanzug“ .
Warten auf den Arzt, der die Welt kuriert? Quatsch. Empfehlung von Helge Schneider: Am besten, „wir brechen zusammen zusammen“ vor Lachen.