Das Programm "Spuren suchen: deutsch-tschechisch-polnische Geschichte(n) im Wandel" setzt sich in 13 Spiel-, Dokumentar- und Animationsfilmen insbesondere mit der gemeinsamen Aufarbeitung von Vertreibungserfahrungen nach dem Zweiten Weltkrieg auseinander.

"Heute begibt sich zunehmend eine junge Generation tschechischer und polnischer Dokumentarfilmer auf die sehr persönliche Suche nach Erlebtem und Verschwiegenem im Umkreis ihrer Familien. Oft spielen dabei grenzüberschreitende Identitäten eine Rolle", erklärt der Kurator und Journalist Jaroslaw Godlewski. Es gehe aber nicht nur um den historischen Perspektivwechsel: "Aktuell erleben wir wieder, wie Fluchterfahrungen die Identitäten von Menschen verändern - die der Geflüchteten genauso wie die der Aufnahmegesellschaft. Auch darüber möchten wir uns austauschen."

Grenzüberschreitender Austausch steht deshalb nicht nur bei einer tri-nationalen Schülerbegegnung im Zentrum. Vier Filme sind während des Festivals auch am heutigen Donnerstag in der polnischen Nachbarstadt Zielona Góra zu sehen. In Zusammenarbeit mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung finden zudem begleitende Medienseminare an Schulen in der Region statt.

Unter dem Titel "Brücken und Brüche - Zusammenwachsen in Deutschland" spürt eine von der Kuratorin Karin Fritzsche betreute Retrospektive den Umwälzungen im Leben der Deutschen in den 1990er-Jahren nach. Mit der Recherche und Zusammenstellung der Reihe leistet das Filmfestival Cottbus auch ein Stück Dokumentationsarbeit zum Filmerbe der 90er-Jahre, denn viele der selten gezeigten Filme galten inzwischen als vergessen oder gar verschollen. Bewusst schließt das Festival des osteuropäischen Films den Osten Deutschlands mit ein. In seinen Sonderprogrammen greift es seit Jahren erfolgreich auch deutsche Themen und Fragestellungen auf und stößt damit beim Publikum auf großes Interesse. Beide Specials laden zu Filmgesprächen und begleitenden Fachdiskussionen ein.