"Ungewaschen, ungekämmt, ungezahnputzt, unausgezogen mit der Chipstüte stundenlang fernsehen und dann auf der Couch einschlafen." Das ist so ziemlich das Größte, was sich Jennifer (Alrun Herbing) vorstellen kann, wenn sie einmal allein zu Hause ist. Und das ist die Elfjährige an diesem Abend, weil Mama ungeplant eine Nachtschicht als Krankenschwester einlegen muss und Papa schon längst ausgezogen ist. So nimmt sie sich ihre Liste der verbotenen Dinge und arbeitet sie ab: Füße mit Schuhen auf den Tisch legen, allein Pizza bestellen, die hässlichen Einschulungsbilder abhängen, die Geburtstagskerze anzünden (und sicherheitshalber auch schnell wieder ausblasen) und alle elektrischen Geräte anschalten, bis die Sicherung rausfliegt - und dann schließlich besagten Fernsehabend vorbereiten.

Kichern und Unbehagen

Die Mädchen und Jungen, die aus vierten und fünften Klassen aus Altdöbern und Finsterwalde zur Premiere nach Senftenberg gekommen sind, begleiten Jennifers Treiben mit Oh- und Ah-Rufen, mit Lachen und verschämtem Kichern ob manch frecher Sprüche. Sie fühlen ebenso mit, als Jennifer Unbehagen beim Gruselfilm zeigt - und erschrecken sich mit ihr, als plötzlich eine seltsam anmutende Gestalt im Schrank (Simon Elias) auftaucht, die sich selbst als den größten Schisshasen des Universums bezeichnet. Und ebenso leiden sie mit, als mit großem Krachen Pöbelmän (Wolfgang Tegel), der schon seit etlichen Lichtjahren seinen Mitschüler Angstmän aus der Superheldenklasse peinigt, auftaucht und nun auch noch Jennifer mit bösen Worten und ekligem Treiben quält. Doch schließlich gelingt es Jennifer, den wunden Punkt Pöbelmäns zu treffen. Und so kommen alle gemeinsam der Angst auf die Spur und lernen, was sie aus kleinen (und großen) Menschen macht - und dass man sie mit ein wenig Mut und am besten miteinander besiegen kann. Das flotte Spiel der drei jungen Darsteller kommt neben der körperlichen Unrast vor allem durch seine Sprache, die sich am Alltag der Zuschauer orientiert, dem Publikum nahe, ohne sich anzubiedern. Unterstützt von einem Bühnenbild (Barbara Fumian), das ganz in Weiß Raum für Fantasie und "spezielle Effekte" lässt, die diese noch befördern. So entstehen Bilder, die an Comics erinnern, deren Superhelden-Legenden mit "galaktischen" Fähigkeiten Hartmut El Kurdi in seinem "panischen Kammerspiel" aufgenommen hat. Der in Hannover lebende Autor, Dramaturg, Schauspieler, Musiker und Vorleser hat für das 2002 als Hörspiel erschienene Stück den Deutschen Kinderhörspielpreis bekommen. Mit "Jenny Hübner greift ein" hatte das Senftenberger Theater bereits ein anderes seiner Werke auf die Bühne gebracht.

Für jedes Alter

Regisseur Manuel Soubeyrand hat es zur Angstmän-Premiere in der letzten Reihe der Studiobühne sichtlich genossen, wie die Kinder mit ihren Helden mitfühlten. Ihr unermüdlicher Beifall und die begeisterten Worte wie "Das war cool" und "Echt lustig" am Schluss, bestätigen seinen Weg in Senftenberg. An dessen Anfang als Intendant hatte er im Sommer 2014 angekündigt, die Neue Bühne noch stärker im Kinder- und Jugendbereich zu entwickeln. Sowohl Klassenzimmerproduktionen, mit denen die Neue Bühne zwei- bis dreimal in der Woche in der Lausitz unterwegs ist, als auch Aufführungen im Haus nehmen einen Großteil der Theaterarbeit ein. Auch für die neue Spielzeit 2016/17, deren Programm in dieser Woche der Öffentlichkeit vorgestellt wird, sind weitere Produktionen für Kinder und Jugendliche angekündigt, sodass mit dem Repertoire zukünftig jede Altersgruppe angesprochen wird. Die nächsten Vorstellungen: heute, am 12. und 13. Mai und am 1. und 7. Juni, jeweils um 10 Uhr. Das Stück richtet sich an Kinder ab acht Jahren. Karten an der Theaterkasse unter Telefon 03573 801286 oder

www.theater-senftenberg.de