Seine Vorgesetzten setzen Assante unter Zeitdruck: Für den moralisch integren Italiener ist es eine Ehrensache, die Ermittlungen rechtzeitig fertigzustellen. Dann klingelt es an der Tür. Carla steht dort. Jung. Gutausehend. Aber nein, eine Escort-Dame hat Assante nicht erwartet. Als er darauf kommt, dass Carla nicht die ist, die sie vorgibt und ein Netz der Intrigen um ihn gesponnen hat, ist es schon viel zu spät - denn das Buch ist fast zu Ende. Und daher fühlt sich auch der Leser vor den Kopf gestoßen, als der eigentlich spannende Part endlich beginnt. Autor Andrea Camilleri aber hat anscheinend selbst nach 160 Seiten die Lust an dem Fall verloren und das Ende auf einer Seite abgehandelt. Statt auf den bewährten Kommissar zu setzen, erfindet der in Rom lebende Sizilianer einen sehr eigenen Charakter, dessen Gedanken schwer zu folgen ist. Mit Montalbano kann er nicht mithalten.

Andrea Camilleri: Die Verlockung, Nagel & Kimche Verlag, 160 Seiten, 18 Euro