Jetzt kommt Flora 717. Die Säuberungsbiene aus der untersten Kaste des Bienenkorbs ist die ebenso unscheinbare wie geniale Heldin aus Laline Paulls erstaunlichem Erstlingswerk "Die Bienen". Der Fantasy-Roman der jungen Britin ist allerdings beileibe keine harmlose Kinderliteratur. Es ist vielmehr eine Parabel auf eine autoritäre Gesellschaft: Untertanengeist, striktes Ständedenken und ein quasi-religiöser Fruchtbarkeitskult kennzeichnen das hier geschilderte Bienenvolk.

Doch in dieser festgefügten Welt regt sich Widerstand. Die mit außergewöhnlichen Gaben gesegnete Flora 717 emanzipiert sich und zeigt: Auch in einer feindlichen Umwelt sind Liebe und Solidarität möglich. Laline Paull beschreibt die Bienengesellschaft als archaisch-religiösen Gottesstaat. Wir erfahren bei Paull sehr viel über das hochkomplexe Innenleben eines Bienenstocks, niemals jedoch verfällt sie ins Dokumentarische. Ihre Sprache ist bildhaft und sehr sinnlich.

Laline Paull: Die Bienen. Klett-Cotta Verlag, 352 Seiten, 19,95 Euro