Demnächst wird sich dieser Festtag dann auf den 67. Geburtstag verschieben“ , sagt der frühere Staatsminister für Kultur im Bundeskanzleramt mit ironischem Unterton. Für Naumann ist das Datum nicht mit einem beruflichen Einschnitt verbunden: „Ich arbeite weiter. Ich bleibe Herausgeber.“
Weiterhin werden von ihm Artikel im liberalen Blatt zu lesen sein. Er nimmt an Redaktionskonferenzen teil und bringt dort Erfahrung, Themen und Korrekturen ein. So gibt Naumann weiter Impulse in das Blatt, das er von 2001 bis 2004 neben Josef Joffe als Chefredakteur führte. Gast der "Zeit"-Matinee in Hamburg war jüngst der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), für den Naumann in der rot-grünen Regierung der Kultur mehr Gewicht gab (1999 - 2000). „Ich habe damals im Wahljahr 1998 nicht geahnt, was auf mich zukommt - ein entfremdendes Leben mit vielen persönlichen Opfern“ , resümiert Naumann. Er setzte sich unter anderem für Modifizierungen am Holocaust-Mahnmal ein sowie für höhere Bundesmittel für Berliner Kultureinrichtungen. „Es macht Spaß, wenn Sie das Gefühl haben, Sie können etwas bewegen.“ Weniger erfreulich war für den „Bücherwurm“ Naumann, dass ihm neben dem Aktenstudium keine Zeit für Romane blieb. Denn in dieser Materie kennt er sich aus, er leitete früher die Rowohlt-Verlage (1985 - 1995) und anschließend die Verlage Metropolitan Books und Henry Holt in New York. Ein Werk, das Naumann immer wieder beglückt, ist Robert Musils „Der Mann ohne Eigenschaften“ . „Das hat mich mein Leben lang begleitet. Man vergnügt sich vor allem an der enormen satirischen Ironie des Autors.“
Für Naumann sind Bücher Lebenselixier. Seine bevorzugte Buchhandlung ist in Berlin, Naumanns Hauptwohnsitz. „Meine Heimat aber ist Köthen“ , ergänzt er. In der anhaltinischen Gemeinde wurde Naumann 1941 geboren, als Dreijähriger erlebte er im Zweiten Weltkrieg mit seiner Mutter und den drei Geschwistern die Bombardierung der Kleinstadt durch die Alliierten mit. Sein Vater war 1942 in Stalingrad gefallen.