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| 17:37 Uhr

Aquamediale rückt ins Rampenlicht

Ein Fotoshooting auf der "goldenen Brücke" 2015.
Ein Fotoshooting auf der "goldenen Brücke" 2015. FOTO: Aquamediale
Lübben. Was würde bloß Luther dazu sagen? Vielleicht wäre er ganz einverstanden. Schließlich ist er selbst mit einer entflohenen Nonne vor dem drohenden Zölibat durchgebrannt. Ingvil Schirling

Das muss wohl Liebe sein und Glaube und Hoffnung. Mit der starken Katharina im Rücken hämmerte der Reformator seine Thesen an die Kirchentür, legte sich mit der Obrigkeit an, stritt und litt an und mit dem Althergebrachten. Am Ende war alles anders und ist es bis heute.

Ganz in diesem Sinne tritt die zwölfte Aquamediale an, diesen Sommer den Spreewald künstlerisch und philosophisch auf den Kopf zu stellen. "Glaube Liebe Hoffnung", so positiv kommt der Titel daher, angelehnt an das Hohelied der Liebe im ersten Korintherbrief, optisch getragen von Ente und Storch als Marketingfiguren, mit gekonnt-kindlicher Einfachheit gezeichnet. Unter die sich Fledermaus und Mücke mischen. Die Aquamediale sticht, irritiert, flattert kess vom bodenständig-polternden Luther zum zweifelnden Kierkegaard und fragt, ob wir eigentlich noch tugendhaft leben? Auf der Grundlage von Glaube, Liebe und Hoffnung, flankiert von Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung? Oder ob wir der Genusssucht, dem Narzissmus, Kapital und Geld huldigen? Wohlfeilen Versprechen von einfachen Lösungen auf den Leim gehen? Dann wäre es "Zeit, das Verhältnis des Menschen zu sich selbst, zu seinem sozialen Umfeld und zur Natur wieder vom Kopf auf die Füße zu stellen", fordert Harald Larisch. Der Kurator der zwölften Aquamediale kommt aus Rostock und gibt sich radikal: "Zeit, sich von den modernen Todsünden zu befreien und das Normale als das Besondere zu sehen! Zeit, die Deformationen in unserer Gesellschaft und in uns zu erkennen! Zeit für die Kunst!", fordert er.

Reformation statt Deformation also. Die zwölfte Aquamediale verspricht, im 500. Jahr nach den sagenhaften Hammerschlägen auf die Kirchentür, so wild und unbestechlich zu werden wie Luther und Katharina es vielleicht waren. Der Landkreis Dahme-Spreewald gilt als erprobter Gastgeber für zeitgenössische, kontroverse Kunst - sei es die Spektrale in Luckau, die Aquamediale in Lübben oder in der Zusammenarbeit mit dem Spreewald-Atelier im benachbarten Lübbenau. Diesen Ruf wollen Kurator Harald Larisch, Projektleiterin Anika Schäfer und Kulturdezernent Carsten Saß diesen Sommer weiter ausbauen - weit über die Landesebene hinaus. Am 4. April wird zur Pressekonferenz in der Landesvertretung Brandenburgs in Berlin geladen: Die Aquamediale präsentiert sich den Medien in der Hauptstadt, in der Metropole. Am 12. Mai startet eine Ausstellung in der Landesvertretung in Brüssel. Aquamediale-Künstler Micha Brendel aus Dahme-Spreewald wird stellvertretend für alle seine Arbeiten zeigen. Bekannt ist er unter anderem für getrocknete Plazenten, teils vergoldet, teils mit Kaffeesatz und Kohle akzentuiert.

Doch verwurzelt ist das Kunstfestival in der Region. Wie gewohnt werden die Arbeiten von 15 Künstlern aus aller Welt an den Ufern der Spree entlang von Lübbens Schloss- und Liebesinsel zu sehen sein. Das Rahmenprogramm führt zum romantischen Wasserschloss Groß Leuthen, ins bäuerliche Schlepzig, ins verwunschene Burg, an den Radduscher Hafen und ins kunstaffine Lübbenau. Überall sind Kunstmärkte, Theater, Lesungen, Kahnfahrten und sogar Spreewälder Streetfood geplant. Eng ist auch die Kooperation mit dem Cottbuser Filmfestival, über das nach aktuellem Planungsstand ein wendisch/sorbischer Filmbeitrag in Schlepzig gezeigt werden soll. Bestimmt geht es darin um Wera, Lubosc und Nazeja im Spreewald. Also um Faith, Love und Hope, mit denen sich die Aquamediale europäisch und international profilieren will. Wenn im September die Kunstwerke abgeräumt oder in Wind, Sonne und Wasser schon vorher vergangen sind, bleiben "Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei", prophezeit der Korintherbrief, "aber die Liebe ist die größte unter ihnen."

Zum Thema:
Eröffnet wird die zwölfte Aquamediale am 3. Juni mit einem Festgottesdienst in der Paul-Gerhardt-Kirche zu Lübben. Es folgt die Vernissage am Hafen zwei mit dem Hang-Duo Klangart aus Berlin. Die weiteren Veranstaltungen und wichtige Informationen: www.aquamediale.de