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| 02:40 Uhr

Appell an Gemeinschaft

Mark Wahlberg als Tommy Saunders kommt in "Boston" nicht als Superheld daher.
Mark Wahlberg als Tommy Saunders kommt in "Boston" nicht als Superheld daher. FOTO: StudioCanal/dpa
Berlin. Knapp vier Jahre ist es her, als im Zieleinlauf des Boston-Marathons zwei Sprengsätze explodierten und drei Menschen getötet wurden, darunter ein achtjähriger Junge. 260 Menschen wurden zudem verletzt. Wolfgang Marx

Wie man Zeitgeschichte würdevoll mit Spannung, Action und ein wenig Pathos kombiniert, das hat Peter Berg zuletzt in seinem Ölplattform-Drama "Deepwater Horizon" gezeigt. In "Boston" nun hat der versierte Action-Regisseur die tagelange Jagd auf die beiden Bombenleger von Boston akribisch rekonstruiert.

Nach "Lone Survivor" (2013) und "Deepwater Horizon" (2016) ist Mark Wahlberg erneut der Hauptdarsteller - ein heroischer und unverwüstlicher Superheld ist er allerdings nicht. Ganz im Gegenteil. Der Hollywood-Star, der einen beliebten, wenn auch sehr eigensinnigen Cop spielt, ist der lädierte Held - im wahrsten Sinne des Wortes. Nachdem er sich bei der Verbrecher-Jagd am Knie verletzt hat, humpelt er durch den ganzen Film.

Aber er ist ja nicht allein. Obwohl "Boston" mit Kevin Bacon (FBI-Agent), John Goodman (Polizeichef) und J.K. Simmons (Police Sergeant) prominent besetzt ist, so nimmt sich doch jeder der starken Charakterschauspieler zurück. Niemand drängt sich in den Vordergrund, die Last ist auf viele Schulter verteilt. Will man Erfolg haben, dann sind Team-Geist, Gemeinschaft und Zusammenhalt gefragt. Hand in Hand - nur so geht's. Die Botschaft dürfte in den USA, einem momentan zutiefst gespaltenen Land, durchaus ankommen.

Für die vielen emotionalen Momente sorgen schließlich die eingewobenen Schicksale einiger Paare, die irgendwann alle die Wege der Attentäter kreuzen werden. Auch hier ist die - etwas schlichte - Botschaft klar: Nur die Liebe kann letztlich den Hass besiegen.

Der Hass, das sind die beiden Brüder Zarnajew (Alex Wolff, Themo Melikidze), deren Beweggründe in Bergs Action-Thriller aber seltsam nebulös bleiben. Ein Internet-Video über das Bombenbauen muss als Hinweis auf die Radikalisierung der beiden Attentäter reichen.

Boston, USA 2016, 133 Min., FSK ab 12, von Peter Berg, mit Mark Wahlberg, Kevin Bacon, John Goodman, J.K. Simmons, Michelle Monaghan