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Antiker Hochgenuss

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Es soll eine der grandiosesten Fehleinschätzungen Ciceros werden: Caesar-Erbe Octavius habe "keine Ahnung von Politik, und das wird sich gewiss auch niemals ändern", schreibt der gewiefte römische Staatsmann an Brutus, den wohl bekanntesten der Mörder des Diktators. Dieser Satz ist so nicht in den antiken "Epistulae ad Brutum" zu finden. Sebastian Fischer

Er stammt vielmehr aus der Feder des postum zum Publikumsliebling avancierten John Williams. In seinem Briefroman "Augustus", der fast ein halbes Jahrhundert nach dem Original nun auf Deutsch vorliegt, trifft der US-Autor genau den Ton des überzeugten römischen Republikaners. Und er zeigt, wie Intrigen den Weg ins und das Prinzipat selbst markieren, wie der Mensch Augustus dem Politiker Augustus unterworfen ist. Im letzten Brief des Romans schreibt sein Leibarzt an den Nero-Berater Seneca, das Reich habe die Grausamkeiten und Unfähigkeiten der Nachfolger Tiberius, Caligula und Claudius überdauert. Die Hoffnung sei, dass Rom nun "unter Kaiser Nero endlich den Traum des Octavius Cäsar erfüllen möge". Mit dem Wissen um die Gräuel dieses letzten Vertreters der Augustus-Dynastie klingt das schon fast grotesk.

John Williams: Augustus. dtv-Verlag, 480 Seiten, 24 Euro