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Ansturm auf die eigene Geschichte – in Doberlug

Sabine Ebert: "Ich möchte ein Stück deutsche Geschichte erzählen."
Sabine Ebert: "Ich möchte ein Stück deutsche Geschichte erzählen." FOTO: Helmut Henkensiefken
Bestsellerautorin Sabine Ebert hat mit "1815 – Blutfrieden" einen weiteren hitverdächtigen Historien-Roman vorgelegt. Momentan pilgert sie bei einer Lese-Reise vor allem durch Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Am 13. April liest Sabine Ebert in Doberlug-Kirchhain.

Frau Ebert, was ist anstrengender? Die Recherche für einen Historien-Roman, die mehr als 1000 Seiten zu schreiben oder die anschließende Lese-Reise?
Die Lese-Reise ist schon sehr anstrengend. Jeden Tag eine andere Stadt, immer unterwegs mit diversen Zugverspätungen. Andererseits ist die direkte Resonanz der Leser, für die ich schreibe, sehr schön. Ich durfte schon sehr herzliche, aufgeschlossene Begegnungen erleben.

Wie sind die Reaktionen?
Das riesige Leser-Echo übertrifft alle unsere Erwartungen und freut mich. Denn es ist mein bisher wichtigstes Buch. Diese Resonanz war bei der Materie nicht abzusehen. Es kommen 200 oder mehr Leute zu den Veranstaltungen, die in Sälen, Theatern, Kirchen oder großen Hallen stattfinden. Natürlich lese ich in Städten die Stellen, die dort handeln.

Wie lange haben Sie an "1815 - Blutfrieden" gearbeitet?
Sehr intensiv zwei Jahre am Stück, ohne Atempause. 90 Prozent meines Ensembles sind historisch belegte Personen. Es gab Unmengen an Quellen zu studieren. 50 000 Seiten Dokumente für die Zeit von 1813 bis 1815, die der Roman abdeckt, waren zu lesen.

Wer hilft Ihnen dabei?
Das muss ich schon selber machen. Fachberater führen mich aber durch das Übermaß an Quellen, die teilweise sehr widersprüchlich sind. Das gibt mir Sicherheit. Der Rechercheabgleich ist am aufwendigsten, aber auch spannend!

Das Schreiben passiert schon parallel?
Anders ginge es gar nicht. Das Schreiben macht mir riesigen Spaß. Ich folge meinen Figuren Tag für Tag, Stunde für Stunde, um deren Motive und Handeln zu verstehen.

Sie sind Journalistin. Was hat Sie bewogen, Romane zu schreiben?
Als ich von Berlin nach Sachsen gezogen bin, hat mich beeindruckt, wie die Sachsen sich mit ihrer eigenen Geschichte identifizieren und wie gut sie darüber Bescheid wissen. Insbesondere die Stadt Freiberg beschäftigte mich. Ich habe zunächst mehrere Sachbücher zur sächsischen Geschichte geschrieben. Aber Verzweiflung und Hoffnung der Menschen sind darin nur begrenzt darstellbar. Anfangs habe ich fünf Jahre neben meiner journalistischen Arbeit geschrieben. Mit einer solchen Entwicklung, wie wir sie dann erlebt haben, konnte keiner rechnen.

Der neue Roman knüpft nahtlos an "1813 - Kriegsfeuer" an. Wann haben Sie sich zur Fortsetzung entschieden?
Das war von Anfang an klar. Denn mit der Völkerschlacht und der Siegesparade am 19. Oktober 1813 war Napoleon ja nicht besiegt. Die Leipziger jubeln zwar, aber dann kommen das Leid, Typhus, Lebensmittelknappheit über die Menschen. Die Zeit zwischen der Völkerschlacht und Waterloo war von enormer Dramatik für viele deutsche Städte.

An welche sächsischen und brandenburgischen Schauplätze führen Sie uns im neuen Roman?
Die Elbfestung in Torgau spielt eine wichtige Rolle. Ich kehre auch nach Großbeeren und Dennewitz zurück. Dargestellt ist der Streit um die Teilung Sachsens, dabei wird sowohl die preußische als auch die sächsische Perspektive reflektiert. Henriette, die Hauptfigur, die den Krieg von der schlimmsten Seite kennengelernt hat, kommt aus Leipzig nach Berlin in die Welt der literarischen Salons. Sie sieht die letzte Vorstellung von August Wilhelm Iffland. Die von Napoleon geraubte Quadriga vom Brandenburger Tor kehrt zurück nach Berlin.

Wer ist Ihr Tester? Wer darf zuerst lesen?
Mein Agent, meine Lektorin, meine Fachberater. Und dann ein/zwei Freunde, die nicht mit der Materie vertraut sind. Sie haben erzählt, dass sie immer mal wieder pausieren mussten, weil ihnen die Tränen kamen.

Wie wichtig ist Ihnen Kritik?
Ich bin dankbar für jeden Hinweis, der hilft, Fehler zu vermeiden. Auch von Historikern höre ich übrigens viel Lob. Ein Militärhistoriker und ein General a.D. gehören zu meinen Beratern. Ich bin auch inzwischen mit vielen Nachfahren meiner Protagonisten in Verbindung, die mir Einblicke in die Familienarchive gewähren.

Auf welche Art Kritik können Sie gut verzichten?
Auf unqualifizierte Äußerungen in der Art "Ich habe Ihr Buch nicht gelesen, aber . . . " Besserwissertum, das eigentlich nur auf Halbwissen basiert.

Worin liegt also das Geheimnis Ihrer Historien-Romane? Warum sind Sie so erfolgreich?
Weil ich einen anderen Ansatz habe. Üblich ist, eine Liebesgeschichte, einen Krimi oder einen Rachefall vor historischem Hintergrund zu erzählen. Ich möchte ein Stück deutsche Geschichte erzählen, in die ich meinen Handlungsstrang einbette. Das Fiktive ordnet sich der deutschen sächsischen mittelalterlichen Geschichte unter.

Worüber werden Sie als Nächstes schreiben? Ist schon etwas spruchreif?
Ich werde auf jeden Fall wieder in die Geschichte gehen, natürlich in die sächsische, aber mit mehr preußisch-brandenburgischen Anteilen. Es gibt zwei Projekte. Die endgültige Entscheidung fälle ich nach der Lese-Tour. Mit einigem zeitlichen Abstand.

Mit Sabine Ebert

sprach Heike Lehmann.

Am Montag, 13. April, um 19 Uhr liest Sabine Ebert in Doberlug-Kirchhain, Refektorium am Schloss, aus "1815 - Blutfrieden". Tickets über Touristinformation Doberlug-Kirchhain (Tel. 035322 688850) oder per Mail an foerderverein@schloss-doberlug.de

1815 - Blutfrieden (Roman), Droemer Knaur, München 2015, ISBN 978-3426652725

Zum Thema:
Sabine Ebert (geb. 1958 in Aschersleben), journalistisches Volontariat in Magdeburg, Studium der Lateinamerika- und Sprachwissenschaften in Rostock. 2006 erscheint ihr Romandebüt im Knaur-Verlag "Das Geheimnis der Hebamme", Auftakt einer fünfbändigen Saga. "Marthes Geheimnis" ist der Arbeitstitel für die ARD-Fernsehverfilmung von Sabine Eberts Roman "Das Geheimnis der Hebamme" (Regie: Roland Suso Richter) mit prominenten Schauspielern, aber noch ohne konkreten Sendetermin.