Frau Loos, im Film sieht es professionell aus: Wie war es, das Melken von Kühen zu lernen?
Für mich war es nicht so schwierig, der Bauer hat mir Talent bestätigt (lacht). Ich komme ja aus Brandenburg, und meine Oma hatte in der Nähe einen Bauernhof. Die hatten keine Kühe, aber Pferde, Hühner und Ziegen. Und Ziegen zu melken, das ist nicht unähnlich. Am Anfang hat es mich aber etwas Überwindung gekostet, die Kühe sind ja sehr groß. Was war eigentlich der härteste Job, den Sie selbst je gemacht haben?
Das war auf der Schauspielschule in Hamburg. Mein allererster Job war, morgens um fünf die Klos einer Kneipe zu putzen. Das war schon hart und eklig. Aber irgendwie ging das auch. Sie haben mal gesagt, ihre Karriere ist wie eine Sinuskurve, mal geht es rauf, mal runter. Wo sind Sie gerade?
Im Moment habe ich das Gefühl, es gibt keine Kurve runter. Ich habe die letzten zwei Jahre wirklich so tolle Sachen gedreht. Mein Vater hat immer gesagt, wenn man etwas zu sehr will, dann dünstet man das auch aus. Das ist nicht gut, und genauso ist es auch. Ich habe vor drei Jahren angefangen, Rockmusik zu machen, was ich immer wollte - und dann auch noch mit den Helden meiner Jugend (der Band Silly). Das war auf einmal so perfekt für mich, dass ich alle verkrampften Gedanken weggelegt habe. Das hat mir echt gut getan.Der Mauerfall ist bald 20 Jahre her - wo waren Sie am 9. November 1989?
Ich war auf dem Gymnasium in Wedel in Schleswig-Holstein. Ich habe da bei einer Tante gelebt, weil ich ja aus dem Osten abgehauen bin. Ich habe mich mit ihr vor den Fernseher gesetzt, und sie hat gesagt, die Mauer ist gefallen. Zwei Stunden später klingelte es und meine Eltern standen vor der Tür. Das war ein supercooler Tag für mich, weil ich gar nicht gewusst habe, wie lange ich die nicht sehe. Das war schon irre. Ich hätte das nie vorhergesehen. Waren Sie so ein rebellischer Teenager, von den Eltern wegzugehen?
Ich war das genaue Gegenteil. Ich war ein liebes Mädchen und total gut in der Schule. Ich hatte seit der ersten Klasse zwei Freundinnen; mit der einen bin ich dann abgehauen. Meine Mutter sagt: Pubertät, das gab es bei dir gar nicht. Ich war ein Null-Problemkind. Ich hatte dann so einen Punkt - eigentlich wie die Eva im Film - da dachte ich: Da bewegt sich nichts, ich komm hier nicht weiter, ich kann hier bestimmte Sachen nicht machen, es kotzt mich an. Und dann kam ich zu dem, glaube ich, egoistischsten Entschluss in meinem Leben, zu sagen, ich verlasse das alles, inklusive Eltern, und lebe mein Leben. Sind Sie über Ungarn geflohen?
Genau. Ich habe mir einfach einen Plan gemacht, wie man das so macht als naiver Jugendlicher, der keine Ahnung hat. Das hat nicht ganz funktioniert - aber am Ende hat es dann doch funktioniert. Also über Ungarn und Österreich. Wenn das 1988 war, war die Grenze noch gar nicht auf?
Nö, aber es gab ja Stellen, da war es halb auf, sozusagen. Es gibt Fälle, bei denen das nicht gut ausgegangen ist.
Ich kannte ja auch diese ganzen Geschichten. Meine Schwester hatte eine Freundin, die ist abgehauen, die haben sie gekriegt. Dann konnten sie meiner Schwester nachweisen, anhand von Gesprächen, die belauscht wurden, dass sie das wusste und sie hatte dann auch noch den Wohnungsschlüssel von ihr. Und meine Schwester war dann auch richtig zwei Tage weg, mit Stasi, verurteilt zu einer hohen Geldstrafe und zwei Jahren Bewährung, wegen unterlassener Anzeige und Beihilfe zur Landesflucht. Deshalb wussten meine Eltern auch nichts. Jetzt sagen sie, es war total ok, aber damals waren sie natürlich echt betroffen. Wie ist es, zurück nach Brandenburg zu kommen?
Das ist für mich wirklich Heimat. Ich liebe diese Stadt über alles. Die hat sich nicht nur negativ, sondern auch schon positiv entwickelt. Am Anfang sind viele Jugendliche nach der Wende einfach erstmal weggegangen. 20 Jahre Jahre nach dem Mauerfall sind die alle wieder da, weil es eine niedliche, schöne Stadt ist. Mit Anna Loos sprach Caroline Bock