| 13:41 Uhr

BASF Schwarzheide
Linien und Knoten im „Lot und Gefüge“

Andreas Hildebrandt vor dem Bild „Nexus“ von 2017 (Tempera, Tusche, Lack auf Baumwolle)
Andreas Hildebrandt vor dem Bild „Nexus“ von 2017 (Tempera, Tusche, Lack auf Baumwolle) FOTO: Jürgen Weser
Schwarzheide. Andreas Hildebrandt zeigt bis 14. Januar Gemälde und Linolschnitte im BASF-Kulturhaus Schwarzheide. Von Jürgen Weser

Ungewohnt freie und weite Sichtflächen überraschen den Ausstellungsbesucher im Kultursaal der BASF Schwarzheide. Schnell merkt er jedoch, die großformatigen Bilder und Linolschnitte von Andreas Hildebrandt brauchen Weite für ihre Wirkung. Unter dem Titel „Lot und Gefüge“ sind sie mit kleinformatigen Grafiken und Seilverknotungen bis zum 14. Januar zu sehen.

Zunächst nimmt der Betrachter auf den abstrakten Darstellungen undurchdringliche und übereinander gelagerte Knäuel von Linien, Schnüren, Strahlen und Spiralen im zumeist expressiven Farbenrausch wahr. Es braucht Zeit, mit den Bildern in Kontakt zu treten und mit den von Andreas Hildebrandt ausgesendeten Sehangeboten eigene visuelle Erfahrungen und Empfindungen zu verbinden. Für die Schwarzheider Ausstellung hat der Künstler ein Raumkonzept entwickelt, das von der Weite zum Detail führt. 1973 in Dresden geboren und über das Studium der Landschaftsarchitektur an der TU Dresden zum Studium der Malerei und Grafik an der Hochschule für Bildende Kunst Dresden gekommen, verbindet der jetzt in Potsdam lebende Künstler den Blick des Landschaftsarchitekten mit dem des akribisch am Detail arbeitenden Malers. Wahrnehmungen des Alltags, so Hildebrandt selbst, bieten ihm Ideen für seine Bilder. Ausschnitte einer erfahrbaren Welt werden auf den zwei mal drei Meter großen Bildern in Tempera, Tusche und Lack auf Leinwand zu Gefügen einer faszinierend undurchdringlichen Welt, die Hildebrandt mit seiner Kompositionskunst durch mehrere übereinander gelagerte Schichten ins Lot bringt. So ist das Bild „Nexus“ im Foyer ein kunstvolles Gefüge, das, wie es der Titel vermuten lässt, Zusammenhänge, Verbindungen und Verflechtungen darstellt. Im Dialog mit dem in der Nähe hängenden „Erlkönig“ spielt der Künstler auf die geheimnisvolle Welt der Goethe-Ballade an.

Mit seinen knappen Bildnamen wie „Speicher“, „Nest“, „Hybrid“ und „Kopf“ bietet Hildebrandt dem Betrachter Anstöße für eigene Seherlebnisse. Vom Universellen ins Detail führt er die Ausstellungsbesucher auch mit seinen auf eine leicht angeschrägte Bodenplatte gestellten 95 kleinformatigen Linoldrucken als Palette von „Prototypen“ für die eigene künstlerische Arbeit. Von diesen Grafiken als Binnenstrukturzeichen mit unterschiedlichsten Ausformungen einer persönlichen grafischen „Festplatte“ fühlen sich viele Besucher der Vernissage angezogen, weil sie Anspielungen auf das eigene Leben bieten können.

Mit Blick auf die Schwarzheider Ausstellung hat Andreas Hildebrandt die großformatigen Linoldrucklandschaften geschaffen. Notwendig war dazu ein aufwändiger Arbeitsprozess. In einen gemalten Rahmen hat Hildebrandt mehrere Linolbahnen übereinander gebracht, die jetzt vom Betrachter Landschaften, Natur, Wege erkennen lassen oder Echolote und vibrierende Zeichen von Lebensimpulsen zu sein scheinen. Wer sich vom Zusammenspiel zwischen Farbkompositionen, grafischen Linien und geschwungenen Bögen in vielfältiger Form angesprochen fühlt und für sich gegenständliche Sujets in den Bildern erkennen möchte, ist in der Ausstellung von Andreas Hildebrandt richtig.

Die Ausstellung kann ab 30. November bis zum 14. Januar täglich von 12. bis 18 Uhr besucht werden. Vom 4. bis 10. Dezember, am 15. und 27. Dezember bleibt die Ausstellung wegen interner Veranstaltungen geschlossen.  Am 12. Dezember und 9 Januar, jeweils 16 Uhr, gibt es Führungen für Kinder mit Eltern und um 17 Uhr für Kunstinteressierte. Ein Katalog ergänzt die Schau.