Die stolzen Preußen-Adler auf dem First von Schloss Neuhardenberg haben schmutzige Gesellschaft bekommen. Geier hocken in der Ausstellungshalle, die Schwingen aus abgefahrenen Autoreifen, das Federkleid aus Weißblechdosen, dazu ein Baum aus Stacheldraht. Ein blechernes Nilpferd glänzt am Schlossteich in der Frühlingssonne, weit reißt es sein Maul aus rostigen Schaufeln auf. Es ist dies die Kunst eines Außenseiters, des finnischen Bauern Alpo Koivumäki.
Die Ausstellung widmet sich Grenzgängern, die im etablierten Kunstbetrieb nicht vorkommen. Kranke sind dabei - wie der Schweizer Maurice Dumoulin, der mit 70 Jahren begann, in einer selbst gegrabenen Höhle die seltsamsten Gegenstände zu sammeln. Das Werk von Einsiedlern wird gezeigt - wie das des Kanadiers Richard Greaves, der aus Gerümpel, aber ohne Nägel, aberwitzige Baumhäuser baut und damit wie eine Spinne Baum und Baum verbindet. Und die Arbeit solcher, die nach Lebenskrisen zur Kunst fanden wie der 1939 geborene Koivumäki.
"Er ist einer der vielen Kleinbauern, die kaputt gingen, als Finnland in die EU kam", berichtet Werner Jeker, der Schweizer Grafiker und Kurator der Ausstellung in Neuhardenberg. Andere hätten Selbstmord begangen, Koivumäki wählte die Kunst als Ausweg. Grundlage der Ausstellung sind die Fotografien des Lausanner Fotografen Mario del Curto. Er porträtiert seit Jahren die Außenseiter bei ihren Experimenten an den Grenzen der Kunst. Del Curtos Bilder sind in Neuhardenberg erstmals in einer umfassenden Ausstellung in Deutschland zu sehen.
In den fünf Jahren ihres Bestehens habe die Stiftung mehr Zulauf erhalten als erwartet, sagte ihr Generalbevollmächtigter Bernd Kauffmann in Berlin. Seit 2002 seien insgesamt rund 250 000 Besucher zu den Veranstaltungen gekommen.
Die Stiftung will außerdem in diesem Jahr unter anderem eine auf mehrere Jahre angelegte, deutsch-polnische Dialogreihe mit dem Thema "Passion Europa" beginnen. Zunächst soll am 21. April über den Aspekt "Gedächtnis" und am 16. Juni über "Nation" debattiert werden.
Am 1. Juli wird zum dritten Mal der Brandenburgische Kunstpreis vergeben. Schirmherr ist Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD). Begleitend zur Preisverleihung ist nach Stiftungsangaben wie in den Vorjahren eine Ausstellung mit den eingereichten Kunstwerken zu sehen. Für die zweite Jahreshälfte wird die Schau "Gundling" des Künstlers Jonathan Meese vorbereitet.
Als erste diesjährige Theaterproduktion der Stiftung wird Anfang Juni in der Neuhardenberger Schinkel-Kirche Samuel Beckets Stück "Das letzte Band" in der Regie des Brecht-Schülers B. K. Tragelehn zu erleben sein. Schließlich befasst sich eine Konferenz am 9. Juni mit dem Thema "Bürgerlichkeit ohne Bürgertum?" Außerdem sind Lesungen, Gespräche und Konzerte vorgesehen.