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| 19:28 Uhr

Spielzeitpräsentation
Senftenberg: Großer Bahnhof für Fontane

 Intendant Manuel Soubeyrand (M.) und sein Team läuten auf der Studiobühne eine abgefahrene Spielzeit ein.
Intendant Manuel Soubeyrand (M.) und sein Team läuten auf der Studiobühne eine abgefahrene Spielzeit ein. FOTO: Steffen Rasche
Senftenberg. Die Neue Bühne verlegt ihren Spielzeitauftakt auf die Gleise, gibt sich international und bleibt unbeirrt „Am Zug“. Von Ida Kretzschmar

Ein echt abgefahre­nes Spektakel läutet im Sommer an der Neuen Bühne Senftenberg die neue Theatersaison ein. Darüber informierten am Vorabend des Maifestes, auf dem dann die Besucher stimmungsvoll in das Programm eingeweiht wurden, Intendant Manuel Soubeyrand und sein Team auf ihrer Spielzeit-Pressekonferenz.

Gleich Anfang August veranstaltet es großen Bahnhof für Theodor Fontane, dessen 200. Geburtstag in ganz Brandenburg gefeiert wird. In Senftenberg erinnert man an den berühmten Reisenden an einem ungewöhnlichen, ansonsten verborgenen Ort – am alten Güterbahnhof. Das Theater zieht für neun Tage auf die Gleise, um „Fontane am Zug“ erlebbar zu machen.

„Die Besucher tauschen ihre Eintrittskarten gegen Fahrkarten und reisen durch die Gegend wie einst der Schriftsteller, der ja auch ein Frauenkenner, Gourmet, Theaterkritiker und Kriegsberichterstatter war“, macht Tilo Esche Lust auf den abgefahrenen Theaterabend. „Die Senftenberger lieben das Spektakel. Wir setzen darauf, dass sie zahlreich erscheinen und viele Gäste mitbringen werden“, ist der Regisseur zuversichtlich, der in der neuen Spielzeit als Stellvertreter des Intendanten in künstlerischen Fragen tätig sein wird.

Gemeinsam mit der fahrenden Theatertruppe „Das letzte Kleinod“ werden beim Spektakel die 11. Theatertage des Deutschen Bühnenvereins/Landesverband Ost eröffnet, berichtet Chefdramaturgin Katja Stoppa, die selbst auf den Zug aufzuspringen gedenkt.

„Am Zug“ heißt dann auch das Motto der Spielzeit 2019/2020, die in diesem Jahr bereits am 3. August startet. Und da geht es mit einem internationalen Projekt, das von der Kulturstiftung des Bundes gefördert wird, auch über Grenzen hinaus. Gemeinsam mit dem Teatr Lesja Ukrajinska aus Lemberg und der Kölner Künstlergruppe futur 3 fragen die Senftenberger Theatermacher mit „Borderlands – „Identity, Diversity, Community: Now, before and after“ nach Zusammengehörigkeit, Identität und dem Umgang mit der Vergangenheit. Die Ursprünge dreier daraus entstehender Inszenierungen liegen im einstigen Lausitzer Kohlerevier und im ukrainischen Lviv sowie in der multiethnischen Bukowina. „Es geht um das Leben in zwei grenznahen Bergbauorten mit ihren Unterschieden und Gemeinsamkeiten. Wir werden mit gemischten Ensembles hin- und herfahren“, freut sich Dramaturgin Maren Simoneit, dass erneut ein „Doppelpass-Projekt“ Senftenberg zuerkannt wurde.

Mit der Uraufführung „Der Sohn“ von Oliver Bukowski ist der Intendant selbst am Zug. „Ich bin sehr froh, dass ich das Preisträgerstück des Wettbewerbs ,Lausitzen’ inszenieren kann, geht es doch darin um die Konflikte und Verwerfungen in einer Stadt der Niederlausitz“, sagt Manuel Soubeyrand, der auch das Weihnachtsmärchen „Der Zauberer von Oss“ inszeniert sowie das letzte Premierenstück dieser Saison im Amphitheater. „Die Dreigroschenoper“ soll dann in der neuen Spielzeit auf Wanderschaft gehen und wird beispielsweise im Schlosspark von Lübbenau gezeigt.

„Landesbühne zu sein, birgt neue Herausforderungen. Mit vielen Inszenierungen der kommenden Spielzeit stellen wir uns darauf ein“, unterstreicht der Intendant und verweist dann auf einen weiteren Premieren-Höhepunkt. So wird nach dem Spektakel das lang geplante Stück „Aus dem Nichts“ nach dem Film von Fatih Akin auf die Neue Bühne kommen. Die Regie führt Samia Chancrin, was bemerkenswert ist, hat sie doch in dem preisgekrönten Film über die NSU-Machenschaften selbst als Schauspielerin neben Hollywood-Star Diana Kruger gestanden. Drinnen wie draußen und unterwegs gibt es also allerhand zu erleben in der kommenden Spielzeit. Nachdenkliches, Klassisches, Beschwingtes, Zauberhaftes, Spannendes, Beglückendes. Dafür bleibt die Neue Bühne Senftenberg, so wird mit dem neuen Spielplan versprochen, unbeirrt „Am Zug“.

 Intendant Manuel Soubeyrand (M.) und sein Team läuten auf der Studiobühne eine abgefahrene Spielzeit ein.
Intendant Manuel Soubeyrand (M.) und sein Team läuten auf der Studiobühne eine abgefahrene Spielzeit ein. FOTO: Steffen Rasche