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| 13:55 Uhr

Schreibende aus 14 Ländern
Wie Worte zu Literatur werden

 Renate Brucke, Vorsitzende des Strittmatter-Vereins.
Renate Brucke, Vorsitzende des Strittmatter-Vereins. FOTO: Ingrid Hoberg
Bohsdorf/Spremberg. Am Samstag wird die Anthologie „Alltag im Wort“ des Erwin-Strittmatter-Vereins in Spremberg präsentiert. Von Ingrid Hoberg

Werden denn überhaupt noch Bücher gebraucht? Manchmal glaubt man den Befürchtungen, das gedruckte Buch könnte bald ein Auslaufmodell werden. Doch geschrieben wird, und eigene Gedanken nicht nur in einem sozialen Netzwerk zu posten, einen Text gedruckt zu sehen und in einem Buch in der Hand halten zu können – das ist offenbar für gar nicht so wenige immer noch ein erstrebenswertes Ziel. Nur so lässt sich erklären, dass mehr als 600 Texte von 400 Autoren beim zweiten Literaturwettbewerb des Erwin-Strittmatter-Vereins eingegangen sind, wie die Jury mitteilt.

Nun liegt also die Anthologie „Alltag im Wort“ vor – am 31. August wird sie in einer Festveranstaltung in der Aula des Spremberger Erwin-Strittmatter-Gymnasiums öffentlich vorgestellt. Doch der Weg bis zu diesem Punkt war nicht einfach, wie Renate Brucke, Vorsitzende des Strittmatter-Vereins, berichtet. Zwei Jahre Arbeit stecken darin, denn Matthias Stark, Vereinsmitglied und Verleger aus Stolpen (Sachsen) trug 2017 die Idee in den Verein.

Nach dem Aufruf „Alltag im Wort“, der im Sommer 2017 im Internet veröffentlicht wurde, gab es eine große Resonanz – nicht nur deutschlandweit. „639 Textbeiträge von 383 Schreibenden aus 14 Ländern, u. a. aus der Schweiz, aus Österreich, Italien, Norwegen, Georgien“, sind eingegangen, wie Renate Brucke im Vorwort des Buches schreibt. Die ersten Texte kamen im November 2017, doch buchstäblich bis zur letzten Minute gingen Beiträge ein. Einsendeschluss war der 31. Dezember 2018, um Mitternacht habe Matthias Starke den Zugang abgeschaltet, erzählt Renate Brucke. Selbst danach hätten sich noch Autoren gemeldet. Doch Stichtag ist Stichtag. Wer später etwas einsenden wollte, hatte keine Chance mehr. „Offenbar haben einige die Weihnachtsfeiertage noch zum Schreiben genutzt“, beob­achtete sie am Eingangsdatum der Zusendungen.

Und dann hatten die Jury-Mitglieder aus den Reihen des Strittmatter-Vereins den großen Papierstapel vor sich – jeder zu Hause auf seinem Schreibtisch. „Per E-Mail haben wir uns ausgetauscht“, berichtet Renate Brucke und hat die anstrengende Zeit, die für die Jury eine Herausforderung war, längst noch nicht vergessen. Wer sich als Autor nicht an die Ausschreibungsregeln gehalten hatte, fiel aus dem Wettbewerb heraus. Doch es blieben noch genügend Texte, an denen sich die Juroren reiben konnten. Es ging durchaus kontrovers zu.  „Eine Entscheidung, welcher Text in die Anthologie kommt, war nicht immer einfach“, sagt Renate Brucke. Es habe beeindruckende Schilderungen des Alltags, Beobachtungen der Natur, Erinnerungen an die Kindheit und berührende Geschichten zwischen den Generationen gegeben. Mancher Autor habe auch Provokatives in den Raum gestellt. 100 Texte für die Anthologie auszuwählen, war also kein Spaziergang für die Juroren.

Ein besonderes Augenmerk des Wettbewerbs lag auf den Einsendungen von Jugendlichen. Sie sollten nicht nur zum Schreiben ermutigt werden, sondern auf Erwin und Eva Strittmatter aufmerksam gemacht werden. So waren Schulen gesondert auf den Wettbewerb hingewiesen worden. „Dieses Neugierigmachen auf das Dichterpaar trifft aber auf alle Autorinnen und Autoren aus nah und fern zu“, ergänzt die Vereinsvorsitzende. Am Samstag haben sie nun Gelegenheit, das Museum in Bohsdorf, den Laden als authentischen Schauplatz der gleichnamigen Romantrilogie von Erwin Strittmatter, kennenzulernen. Zuvor werden von den 100 Autoren mehr als 50 mit ihren Begleitungen zur festlichen Veranstaltung mit Preisverleihung, Übergabe der Anthologie und Lesung in der Aula des Spremberger Gymnasiums erwartet. Die Anthologie, die im SEW-Verlag erschienen ist, wird dann auch im Strittmatter-Museum erhältlich sein.

Der erste Literaturwettbewerb des Erwin-Strittmatter-Vereins war unter dem damaligen Vorsitzenden Dr. Manfred Schemel ausgeschrieben worden. Es wurden Geschichten gesucht, in denen sich die Autoren an Begegnungen mit Strittmatter erinnerten oder sie erzählten, wie sie sich auf seine Spuren begeben hatten. Fast 30 Autoren hatten sich beteiligt. Das Buch „Von Bohsdorf nach Schulzenhof“ ist ebenfalls noch im Museum erhältlich.

 Reante Brocke, Vorsitzende des Strittmatter-Vereins.
Reante Brocke, Vorsitzende des Strittmatter-Vereins. FOTO: Ingrid Hoberg