Das heißt, 17 000 Menschen werden heute Abend in die Kindl-Bühne Wuhlheide kommen, um sich an Ostrock-Weisen unter anderem von den Puhdys, Karat, Veronika Fischer und Ute Freudenberg - unterstützt vom Deutschen Filmorchester Babelsberg - zu erfreuen.
Das Konzert fügt sich gut in den Rahmen des Jubiläums von Amiga, zu dessen erfolgreichsten Künstlern fast alle beteiligten Musiker gehörten. Die vor allem als DDR-Unternehmen bekannte Plattenfirma feiert in diesem Jahr ihren 60. Geburtstag und sich als das älteste noch existierende deutsche Schallplattenlabel. Wobei existieren meint, dass das Label noch namentlich existiert, ansonsten aber komplett in die Münchner Katalogabteilung des Majors SonyBMG - zwecks alleiniger Archivauswertung - eingegliedert ist.
Ostrock und Amiga, das ist für die meisten DDR-Plattenkäufer identisch. Dabei hatte das Label Ende der Achtzigerjahre auch den sogenannten anderen Bands ein ganz klein wenig die Studiotüren geöffnet. Darunter der Cottbuser Undergroundband Sandow , die mit ihrem Song "Born in the GDR" den vielleicht größten Hit des alternativen Ostrock hervorbrachten. Erstaunlicherweise durften sie trotz dieses Songs bei Amiga ein Album produzieren. "Stationen einer Sucht" erschien allerdings erst nach den heißesten Wendetagen. Seitdem wurde es 200 000 Mal verkauft, wovon die Band finanziell jedoch nichts hatte.
Ob sie ihr soeben erschienenes Comeback-Album "Kiong - Gefährten der Liebe" reich machen wird, ist relativ unwahrscheinlich. Heutzutage verdienen Bands eher wieder mit Livemusik, zum Beispiel mit solchen Revivalshows wie Ostrock-Classics. Für Undergroundhelden wie Sandow ist dort - aus gutem Grund für jede Seite - kein Platz. Der wäre für sie höchstens bei einem Ost-Festival mit den „Anderen Bands“ . Aber dazu dürfte es nicht kommen, weil sich solche Best-of-war-einmal-Festivals schwer mit der mainstreamkritischen Denkweise der in Frage kommenden Gruppen vertragen. Einerseits ist es sogar bisschen schade, andererseits aber gut so.