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| 02:40 Uhr

Alles nur geklaut

Felix Reuter weckt auf ungewöhnliche Weise Interesse an Klassik.
Felix Reuter weckt auf ungewöhnliche Weise Interesse an Klassik. FOTO: Frank Claus
Bad Liebenwerda. "So haben Sie Klassik noch nie gehört!" Stimmt! Die Titelzeile einer namhaften überregionalen Zeitung nach einem Konzert von Felix Reuter würden die Zuhörer im Bad Liebenwerdaer Bürgerhaus garantiert auch unterschreiben. Am Donnerstagabend entließen sie den Pianisten erst nach mehreren Zugaben von der Bühne. Frank Claus

Zuvor hatte er ihnen klassische Werke auf höchst amüsante Weise näher gebracht. Mozart, Beethoven, Bach, Smetana, Tschaikowski, Grieg, Rachmaninov - er hat sie vom Sockel gestoßen, ohne sie zu beschädigen.

Im Gegenteil. Nach diesem Abend kommen sie einem viel vertrauter vor.

Nehmen Sie Beethovens "Ode an die Freude", die Europahymne. Felix Reuter spielt sie an, verändert nur ein wenig die Stilistik, und was ist unüberhörbar: "Sind die Lichter angezündet".

Oder Mozart. Endet nicht jedes seiner Stücke mit dem Doppelklang, der irgendwie an Feuerwehr-Hörner erinnert?

Der Pianist beweist es - die Zuhörer im Saal grienen. Wie Beethovens "Mondscheinsonate" und Mozarts "Kleine Nachtmusik" entstanden sind? Der 1972 in Thüringen geborene Reuter, der mit sechs Jahren begann, Klavierunterricht zu nehmen, erzählt so charmant aus den Biografien, dass man gewillt ist, sich auf die Schenkel zu klopfen und ihm zuzustimmen.

Nehmen Sie Liszt! "Da qualmt der Flügel", so schnell werden vieler seiner Werke gespielt. Und als Beweis klingt die "Ungarische Rhapsodie" durch den Saal. Wenig später beweist er, dass Liszts "Liebestraum" durchaus auch Sinatras "My way" sein könnte. Aus Bach-Werken macht Felix Reuter nur durch eine veränderte Beto nung Jazz. Und auch Franz Schubert hat bei seiner "Forelle" schon geklaut. Nämlich vom "Ave Maria".

Wer Felix Reuter gehört und gesehen hat, bekommt Lust auf Klassik. Und die Erkenntnis: Nichts ist da verstaubt.