Geht nicht - dachten sich wohl auch die Bremer Tatort-Macher und drehten die Uhren zurück - diesmal, hat man sich gedacht, werden wir unserem Ruf gerecht und drehen wieder einen langweiligen Krimi. Hat geklappt. Es war allerdings nicht einmal so sehr das langweilige Drehbuch, das den Tatort am Sonntagabend derart überflüssig gemacht hat, sondern vielmehr die Lieblosigkeit, mit der die Macher sämtliche Unlogik schlichtweg weggebügelt haben - da telefoniert jemand mit dem Handy in der Tiefgarage, da lässt eine alleinlebende Frau ständig die Hintertür des Hauses auf, selbst wenn sie weiß, dass des Öfteren mal ein Fremder im Wohnzimmer gestanden hat. Da fährt das Sondereinsatzkommando seelenruhig im Aufzug in den obersten Stock, um überraschend einzugreifen. Und da dreht ein Umweltaktivist mit dem Handy ein Video von sich selbst, während er auf einem Windrad im Meer steht, und die Kamera wackelt nicht mal ein bisschen.

Ähnlich unglücklich mit dem Tatort muss auch Thomas Heinze gewesen sein, der den Windanlagenbauer Lars Overbeck so übertrieben schmierig gespielt hat, dass die Grenze zur Lächerlichkeit nach rund 20 Sekunden bereits überschritten war. Und dann war da noch Schwiegermutter-Liebling Helmut Zierl, der sich einen Dreitagebart hat stehen lassen und einmal kräftig durch die Haare gewuschelt hat, um einen Umweltaktivisten überzeugend darstellen zu können. Da war der junge Mann auf dem Rad mit den roten Haaren und dem impulsiven, einfachen Gemüt um Längen überzeugender - auch ohne sich durch die Haare zu wuscheln. Rafael Stachowiak hat den Hedgefond-Löwen mit fürsorglicher Oma durchaus überzeugend gespielt. Derart skurrile Charaktere kennt man aus Hollywood. Allerdings braucht es in aller Regel auch gute Filme, da mit solche Figuren entsprechend wirken. Im Tatort war er so deplatziert wie das Meersalz im Wackelpudding. Das Gleiche gilt für Giovanni di Lorenzo als Talkshow-Moderator Giovanni di Lorenzo. Nahezu peinlich, sein Auftritt und vermutlich Teil seines Vertrags mit den Öffentlich-Rechtlichen. Tja, Kleingedrucktes immer sorgfältig lesen. Einziger Lichtblick in Bremen: der kleine Sherrif. Süß.