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| 18:18 Uhr

Einpersonen-Stück
„Allein in der Sauna“: Für Mann höchst gefährlich

Das Alleinsein in der Sauna ist für den gar nicht zum Alleinsein gemachten Ehemann und Vater zweier Kinder und außerehelichen Liebhaber höchst gefährlich, denn die ungewohnte Situation und Hitze bringen sein Blut – und schlimmer noch – die Gedanken in Wallung.
Das Alleinsein in der Sauna ist für den gar nicht zum Alleinsein gemachten Ehemann und Vater zweier Kinder und außerehelichen Liebhaber höchst gefährlich, denn die ungewohnte Situation und Hitze bringen sein Blut – und schlimmer noch – die Gedanken in Wallung. FOTO: Neue Bühne Senftenberg / Steffen Rasche
Senftenberg. Senftenberger Premierenpublikum begeistert vom komödiantischen Monolog Daniel Borgwardts. Von Jürgen Weser

Kalle noch im Bademantel. Das Handy klingelt. Kumpel Torsten kommt nicht zum gemeinsamen Saunieren,  und aus dem „gemischten“ Saunatermin ist einer für Männer geworden. Aber was soll Mann in der Sauna, wenn keine Frau da ist? Deshalb ist wohl außer Kalle auch kein weiterer Mann da. So lässt Autor Frank Pinkus in seinem kabarettistisch-komödiantischen Monolog die Probleme für Karl-Heinz König beginnen. Das Stück erlebte am Freitagabend im Rangfoyer der „neuen Bühne“ Senftenberg seine bejubelte Premiere.

Unter Regie von Manuel Soubeyrand läuft Daniel Borgwardt als Kalle König zu Höchstform auf und kann lustvoll sein komödiantisches Talent ausspielen, ohne auf Tiefgang an den richtigen Stellen zu verzichten. Das Alleinsein in der Sauna ist für den gar nicht zum Alleinsein gemachten Ehemann und Vater zweier Kinder und außerehelichen Liebhaber höchst gefährlich, denn die ungewohnte Situation und Hitze bringen sein Blut – und schlimmer noch, die Gedanken in Wallung.

 Kalle beginnt zu überlegen, sein Leben zu resümieren: über den „Niedergang“ erotischer Sternstunden und über Frauen im Allgemeinen und im Besonderen. „Was wollen die eigentlich von mir?“ Kalle will kein typischer Mann sein, vor allem kein typischer Ehemann, muss aber einsehen, dass er es ist.  So stimmt er ein in die Begeisterungsrufe seiner Frau über den Kochlöffelhalter beim sinnlosen Shoppen, was er seiner Frau natürlich nicht sagt, und lässt sich erziehen. „Hat man wenigstens seine Ruhe.“ Außerdem kann Mann Frau nicht erziehen.

In der Dramaturgie von Katja Stoppa von der Regie auf den Punkt gebracht, werden die kleinen, aber wichtigen Fragen des Zusammenlebens hintergründig humorvoll verhandelt und von Daniel Borgwardt von humorig bis empört den Zuschauern als ihre eigenen vor Augen gehalten. Exemplarisch gibt es das Einkaufsdesaster von Kalle, seine alltagsphilosophischen Beobachtungen über die Interpretation des Frauenlächelns in verschiedenen Situationen, das immer etwas anderes sagt als es scheint.

Natürlich stolpert Kalle bei seinen schweißtreibenden Saunagedankenflügen ständig über erotische Beziehungsunwägbarkeiten und dass er im Bett langsam abbaut. Aufkeimende Verbalerotik bekämpft er zur Freude der Zuschauer mit Liegestützen. „Hilft immer“, weiß Kalle. Gekonnt haben Dramaturgie und Regie die unbändige Spiellaune von Borgwardt genutzt, um die Bekämpfung der Männlichkeitsprobleme bei der „Ejakulat- Produktion“ für den Vaterschaftstest als komödiantischen Höhepunkt zu inszenieren. Die von Bühnenbildnerin Maria Bräuer geschickt eingesetzten Gerätschaften überhöhen geschickt satirisch die Aussage.

Zum Schluss muss Kalle eingestehen, dass sein Leben Risse bekommen hat. Die Geliebte ist zu Torsten gewechselt, die Karriere wankt, mit seiner Frau muss er wieder ins Reine kommen. „Vielleicht esse ich die Pizza dann mal von der Mitte her, wie sie es wünscht.“ Die Freuden der „gemischten“ Sauna mit Jägerblick wird er sich jedoch nicht nehmen lassen.

Das Solostück bereichert die Möglichkeiten der „neuen Bühne“ Senftenberg im Rahmen ihrer in der vorigen Spielzeit aufgenommenen Landesbühnentätigkeit. Neben dem eigenen Haus können Städte und Gemeinden mit geeigneten Spielstätten bespielt werden.

Weitere Termine für „Allein in der Sauna“ sind der 4. November im eigenen Haus, am 7. November in Hosena, 18. November  auf Gut Geisendorf und 30. November in Ortrand.