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Geburtstag
Knallharte Schale, butterweicher Kern

Alice Cooper ist der Erfinder des Schockrocks.
Alice Cooper ist der Erfinder des Schockrocks. FOTO: Georgios Kefalas / dpa
New York . Seine Bühnenshow sei wie eine Fahrt mit der Geisterbahn, sagt Alice Cooper. Jetzt wird er 70 – und rockt weiter durch die Welt. dpa

Wenn Alice Cooper nicht gerade mit schaurigem Make-Up, Kunstblut und geköpften Baby-Puppen auf der Bühne steht, ist er meist auf dem Golfplatz oder in der Kirche zu finden. Der „Erfinder des Schockrocks“ ist privat ganz brav: Seit mehr als 40 Jahren mit derselben Frau verheiratet und Vater von drei Kindern. 22 Stunden am Tag sei er der ganz normale Vincent Damon Furnier, als der er geboren wurde, sagte der US-Musiker einmal. „Die restliche Zeit bin ich Alice Cooper, eine völlig eigenständige Persönlichkeit.“

Seit fast 50 Jahren tourt Cooper mit Giftschlangen, Guillotinen und anderen Grusel-Accessoires um die Welt und denkt gar nicht ans Aufhören, auch wenn er am Sonntag 70 wird. Vor wenigen Monaten erst veröffentlichte er mit „Paranormal“ sein 27. Studioalbum, für 2018 hat er schon wieder zahlreiche Tourdaten für die USA und Kanada angekündigt.

Wirklich ernst nimmt Cooper sein Auftreten aber selbst nicht. Schon zu Beginn seiner Karriere sei ihm schnell klar geworden, dass er kein hochtrabender Künstler, sondern einfach ein Entertainer sei, sagte der Schockrocker einmal. „Wenn auch ein Entertainer des Grauens. Das macht wenigstens etwas her.“ Seinen Fans will er bei Konzerten schlicht Show und Spaß bieten. „Alles in allem bezahlt man bei einer Alice-Cooper-Show Eintritt für zwei Stunden Fahrt mit der Geisterbahn.“

Als Sohn eines Priesters wurde Vincent Damon Furnier in Detroit im US-Bundesstaat Michigan geboren und zog später mit seiner Familie nach Arizona. Mit Freunden aus dem Langlauf-Team nahm Cooper aus Spaß an Talentwettbewerben teil, zunächst noch als Beatles verkleidet. Nach einigen Umbesetzungen, Umbenennungen und einem Umzug nach Los Angeles bekam die Truppe dann einen Platten-Vertrag. Ein magisches Hexenbrett soll der Legende nach den endgültigen Bandnamen „Alice Cooper“ ausgespuckt haben.

Frühe Alben verkauften sich nicht schlecht, aber erst der Song „School‘s Out“ brachte 1972 den internationalen Durchbruch. Weitere Charts-Bestseller wie „No More Mr. Nice Guy“  folgten. Unaufhaltsam tourte die Band, oft begleitet von heftigen Protesten wegen der gruseligen und von Kritikern als geschmacklos verurteilten Shows.

Aber der viele Stress und Alkohol führte die Band in einen Dauer-Streit. Schließlich reklamierte Cooper den Bandnamen für sich alleine und startete solo. „Welcome To My Nightmare“ hieß das erste Solo-Album des Rockers 1975.

Der Erfolg blieb Cooper erhalten, aber auch der Alkohol ließ ihn nicht los. „Ich war mein ganzes Leben Alkoholiker, aber all die Autos, Häuser, Frauen, Drogen – am Ende bleibt dir nichts“, sagte der Rocker mit den langen Haaren und den auf der Bühne immer kohlschwarz umrandeten Augen einmal. Schließlich wies sich Cooper freiwillig selbst in eine Entzugsklinik ein.

Geholfen hätten ihm aber vor allem zwei Sachen: Kirche und Golf. Einige Profi-Golfer, mit denen Alice Cooper inzwischen eng befreundet ist, sagen gar, dass Cooper durchaus auf ihrem Niveau mithalten könne.

Der Grusel-Rocker, der jeden Tag nach dem Frühstück 20 Minuten in der Bibel liest, ist auch Familienmensch und hat gemeinsam mit der Tänzerin Sheryl Goddard drei Kinder großgezogen. Zu Hause sei er lieb und brav, beteuert Cooper. „Ich habe den merkwürdigsten Charakter des Planeten. Ich benutze keine Kraftausdrücke und ich werde nie sauer. Für meine Familie bin ich ein Held.“ Tochter Calico ist ebenfalls Musikerin und auch die Enkel spielen bereits Luftgitarre, sagt Cooper. „Ich trainiere sie schon mal ein bisschen. Das werden die nächsten Rockstars der Familie Cooper.“