Januar 1994, Saarbrücken, Filmfestival Max Ophüls Preis, das wichtigste Forum für den deutschsprachigen Nachwuchsfilm: Ein Streifen sorgt für besonders intensive Diskussionen. Es ist nicht "Scheinschwangerschaft" von Denis Rabaglia, der den Hauptpreis gewinnen wird, über den aber heute kaum noch jemand spricht. Es ist "Indien" von Paul Harather aus Österreich.

In dem Roadmovie überprüfen die Inspektoren Fellner und Bösel im Auftrag des Fremdenverkehrsamtes in der österreichischen Provinz Gasthäuser auf die Einhaltung von Hygienebestimmungen und gewerberechtlichen Vorgaben. Bösel ist eher schlicht gestrickt, Fellner gibt sich intellektuell, hat ein Faible für indische Musik und glaubt an Reinkarnation. Auf den Fahrten übers Land werden die beiden sehr unterschiedlichen Charaktere langsam zu Freunden. Die Zuschauer kommen zunächst aus dem Lachen nicht mehr heraus, dann kippt der Film. Fellner hat starke Schmerzen im Unterleib, muss ins Krankenhaus. Es stellt sich raus, der Mann hat Hodenkrebs und wird sterben. Humor finden nun nur noch als Galgenhumor statt. Als Fellner tot ist, trifft Bösel auf einer Parkbank einen Zeitungsverkäufer indischer Herkunft. Aus dessen Recorder erklingt die gleiche Musik, wie sie der tote Freund immer hörte. Und dann schält der Inder auch noch die Banane auf die gleiche eigentümliche Art wie Fellner! Jetzt glaubt auch Bösel an Reinkarnation und tritt fröhlich den Heimweg an.

Der Film, in dem der bis dahin von der breiten Öffentlichkeit kaum wahrgenommene Paul Markovic ("Stockinger", "Die Fälscher") eine Nebenrolle spielt, basiert auf einem Theaterstück der beiden Hauptdarsteller Josef Hader und Alfred Dorfer. Sie sind als Kabarettisten schon ganz gut unterwegs gewesen, mit "Indien" wurden sie schlagartig in Österreich und Deutschland bekannt. Dorfer hat in Österreich weitere Popularität mit seiner Late-Night-Kabarettshow "Dorfers Donnerstalk" gewonnen und gehört wie sein Freund Hader zum Besten, was Österreichs Kabarett-Szene zu bieten hat. In seinem aktuellen Soloprogramm "bisjetzt" hält er Rückschau auf 25 Jahre Bühnenpräsenz. Lässt Zeitgeschichte genauso Revue passieren wie Vergessenes und Verdrängtes. Gibt einen Einblick in das eigene Schaffen. Kombiniert, kontrastiert, collagiert Ausschnitte und Bruchstücke von seinen Anfängen im Ensemble "Schlabarett" über seine Koproduktionen mit Josef Hader bis hin zum preisgekrönten Programm "fremd" und komponiert daraus mit reichlich Selbstironie seine Biografie. Es ist ebenso eine Werkschau wie eine Spurensuche Alfred Dorfers, über den die Süddeutsche Zeitung mal schrieb: "Er ist der vielfältigst Begabte unter seinen deutschsprachigen Kollegen".

Der Streifen "Indien" gewann übrigens 1994 in Saarbrücken den Publikumspreis, ist heute Kult und wird zu den wichtigsten österreichischen Filmen überhaupt gerechnet.

Alfred Dorfer "bisjetzt": 11. Mai, 20 Uhr Alte Chemiefabrik, Cottbus, Parzellenstraße 21. Ticket-Telefon: 0355/481 555.