Das ist das Buch über einen ausgesprochenen Pechvogel. Das Pech wurde ihm geradezu in die Wiege gelegt. Schon schlimm genug, dass ihn seine Eltern Alfons genannt haben, woraus die Kinder Alfonsius machen. Dazu, man fasst es kaum, auch noch den Namen Zitterbacke. Die Kinder rufen ihm nach: „Zitterbacke - Hühnerk. . .“ . Alfons wagt sich gar nicht, das Wort aufzuschreiben. Das ist schier zum Verzweifeln. Als er beim Vater fordert, er wolle einen anderen Namen haben, bekommt er zur Antwort: „Wachse erst mal richtig, wir Zitterbackes sind alles große Kerle, aber du bist nur ein dünnes Komma. Wenn du dich bloß mal richtig prügeln würdest, wie wir Zitterbackes es als Jungs immer getan haben, aber du?“
Da hatte sich Alfons gegen die Gröler schon gewehrt. Die Maulschelle, die er dafür von einer Mutter erhalten hatte, die brennt jetzt noch.
Mit so einem Namen ist man auch sonst geschlagen. Als Alfons und seine Freunde während einer Geburtstagsparty bei Bruno erst Indianer, dann Seeräuber und schließlich Restaurant spielen, trinken Alfons und seine Freunde Limonade, als sei sie Schnaps. Erwin war der Kellner und goss immer wieder nach. Besondere Freude haben sie daran, sich trunken zu stellen. Da kommt unerwartet Brunos Mutti nach Hause, ist empört, nimmt alles für bare Münze, hat kein Ohr für Erklärungen und beschwert sich bei Alfons' Eltern.
Und wieder Pech. Alfons freut sich über seinen Wellensittich Putzi, den er zum Geburtstag geschenkt bekommen hat. Ärgerlich nur, dass er bald einen ruinösen Ausflug durch die Wohnung macht. Mit dem ersten Wort, das Putzi lernt, vergrault er fast die Verwandtschaft: „Doof, doof, doof.“ Als Alfons zu Hause einen Aprilscherz macht, kriegt er Stubenarrest. Er erzählt nämlich, er habe den Lehrer Holzkopf genannt und habe einen Tadel bekommen. Aber wo Erwachsene nicht zuhören, kann man hundert Mal „April, April“ sagen, die hören nur „Holzkopf“ und „Tadel“ , und statt zu lachen, schicken sie einen ins Bett.
16 lustige Geschichten stehen in diesem Buch. Dabei wird Alfons niemals denunziert. Er bleibt ein liebenswerter kleiner Kerl, der nur eben immer wieder mit den Erwachsenen kollidiert. Weil die offensichtlich nicht wissen, was sie wollen. Steigt Alfons schnell in die Straßenbahn, schimpfen sie, er drängle. Lässt er die Großen vor, mahnen sie, er solle nicht bummeln. Die Mutter erschrickt über Spinne am Morgen, der Vater nölt, das sei doch alles Quatsch. Außerdem verschaffen sich die Erwachsenen zuweilen ein Bild, ohne zu gucken, und glauben, etwas zu verstehen, ohne zuzuhören.
Gerhard Holtz-Baumert (1927 - 1996) war in der DDR eine Zeit lang Mitglied im SED-Zentralkomitee, Vizepräsident im Schriftstellerverband und wurde mit dem Nationalpreis geehrt. Das hinderte ihn nicht daran, in Romanen wie „Trampen nach Norden“ und „Erscheinen Pflicht“ kritische Fragen aufzuwerfen.
Mit Alfons Zitterbacke hat er eine Figur geschaffen, mit der in der DDR an Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad nur die Fernsehfamilie um das Sandmännchen, Pittiplatsch und Schnatterinchen, um Fuchs und Elster sowie Ottokar Domma konkurrieren konnten. Das war möglich, weil er sich in Leben und Sprache der Kinder gut hineinfühlen und -hören konnte, dabei aber auch die Welt der Erwachsenen aufmerksam im Blick behielt.
Schöner Kunstgriff: Alfons, der von sich sagt, keine guten Aufsätze schreiben zu können, schreibt diese Geschichten angeblich selbst. „Und die Zeichnungen habe ich auch gemacht“ , behauptet er. Die sind so neckisch-naiv, dass man es ihm glauben möchte. Kindlich köstlich nachempfunden, sind sie ein famoses Werk von Franz Kerka.
Schön, dass man diese Geschichten wieder lesen kann. Auch wenn Alfons Zitterbacke immer wieder Ärger hat, das würde ihn einmal mächtig freuen. Wie der Kopfsprung ins Wasser, der beim ersten gelungenen Versuch nicht ganz freiwillig war, ihn aber ganz schön stolz machte.
Ab sofort liegen „Unsere Kinderbuch-Klassiker“ vollständig vor. Das sind zwölf Bände, von denen jeder sieben Euro kostet. Wer alle zwölf für 77 Euro bezieht, bekommt einen gratis.
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