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Abgebrochene Nasen, fehlende Arme

Der Kopf des 1991 demontierten Lenin-Denkmals.
Der Kopf des 1991 demontierten Lenin-Denkmals. FOTO: dpa
Berlin. Abgebrochene Nasen, fehlende Arme – entsorgte Denkmäler sollen jetzt ein Stück Berliner Geschichte anschaulich machen. Auch ein tonnenschwerer Lenin-Kopf ist dabei. Für die Schau wurde in der Spandauer Zitadelle groß umgebaut. dpa/pb

Nach jahrelangem Ringen wird die große Ausstellung zu Berliner Denkmälern am 29. April in der Hauptstadt für Besucher eröffnet. "Wir sind kurz vor dem Ziel, der Eröffnung steht nichts mehr im Wege", sagte Museumsleiterin Andrea Theissen. Zu der Schau in der Spandauer Zitadelle mit etwa 100 originalen Denkmälern oder Teilen davon gehört auch ein tonnenschwerer Lenin-Kopf aus Granit.

Die Dauer-Schau "Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler" in der Zitadelle präsentiert entsorgte Exponate vom 18. Jahrhundert bis zur Wiedervereinigung. Wie mit Denkmälern umgegangen wurde, sagt laut Theissen viel über deutsche Geschichte.

In einer aufwendigen Aktion wurde das frühere Proviantmagazin der einstigen Festung für die Denkmäler umgebaut. Insgesamt kamen rund 14 Millionen Euro von der EU und aus Lotto-Mitteln.

Um den Lenin-Kopf hatte es ein langes Hickhack gegeben. Er ist Teil eines monumentalen DDR-Denkmals aus Ost-Berlin, das nach dem Mauerfall abgebaut, in mehr als 100 Teile zerlegt und am südöstlichen Stadtrand der Hauptstadt verbuddelt worden war. In einer spektakulären Aktion wurde der dreieinhalb Tonnen schwere Granitschädel im Vorjahr geborgen.

Dort wurde der Kopf des russischen Revolutionärs nun gereinigt, aber nicht geglättet. Die Spuren der Vergangenheit sollen laut Theissen gerade sichtbar sein. Lenin fehlt ein Stück des linken Ohres, ebenso sind kleine Teile des Schnurrbarts weg.

Es gibt Figuren mit abgebrochenen Nasen und Armen oder Rissen, verblasstem oder verdunkeltem Marmor. Bei zwei Stelen, die einst zum Berliner Ernst-Thälmann-Monument gehörten, wurden Graffitis nicht entfernt. Das Riesen-Denkmal aus DDR-Zeiten steht noch in Prenzlauer Berg.

In drei großen Hallen werden laut Theissen Figuren der einstigen Siegesallee im Berliner Tiergarten gezeigt, sie stehen demnach für die Denkmalkultur des Kaiserreiches. Nach Abbau und etlichen Umzügen waren die Standbilder jahrelang provisorisch in Kreuzberg gelagert worden.

Die 750 Meter lange Allee hatte Kaiser Wilhelm II. zwischen 1898 und 1901 anlegen lassen - mit 32 Standbildern brandenburgisch-preußischer Herrscher von Markgraf Albrecht dem Bären (um 1100 bis 1170) bis Kaiser Wilhelm I. (1797 bis 1888).

Die Prachtallee wurde in der Bevölkerung wenig respektvoll "Puppenallee" genannt, woraus sich die Redewendung "bis in die Puppen" ableitete. Gemeint war ein nächtlicher Ausflug in den Tiergarten nach einem Lokalbesuch.