"So sind die Regeln" - das sagen sich die rechtschaffenen Eltern des 17-jährigen Tomica immer wieder. Aber der Glaube an die "Regeln" fällt ihnen immer schwerer. Ihr Sohn ist zusammengeschlagen worden und liegt nun im Koma. Eine Freundin von Tomica erklärt den Eltern, dass von dieser Schlägerei ein Handy-Video existiert - aber die Polizei will das nicht als Beweis anerkennen . . .

Regisseur Ognjen Svilicic erzählt in seinem Film - eine Koproduktion von Kroatien, Frankreich, Serbien und Mazedonien - sehr subtil, wie unvermittelt rohe Gewalt in eine ganz normale Familie einbricht. Wie sie dann mit Bürokratie und schlechter medizinischer Betreuung zu tun bekommt. Wie einen deshalb irgendwann die kalte Wut packen kann . . . Einer der beeindruckendsten Wettbewerbs-Beiträge.

Ohne Gewalt, dafür mit viel Zärtlichkeit kommen "Die Ungehorsamen" der serbischen Regisseurin Mina Djukic daher. Leni und Lazar waren als Kinder befreundet. Lazar ging nach Deutschland und kommt zur Beerdigung seines Vaters wieder zurück ins Dorf. Es funkt sofort zwischen den beiden jungen Leuten. Was werden sie draus machen? Der Streifen ist mit leichter Hand inszeniert, immer mal wieder ironisch gebrochen und hat nicht von ungefähr schon einige Preise gesammelt.

Diese Phase der Erholung war nötig, denn als vorletzter Wettbewerbsfilm folgte "Warschau 44" von Jan Komasa aus Polen. August 1944. Das Ende der deutschen Okkupation Warschaus scheint nur noch eine Frage von Tagen zu sein, die Rote Armee steht ja schon an der Weichsel. Dort haben die jungen Polen eben noch gebadet, die sich nun entschließen, sich zu bewaffnen. Es ist für die meisten von ihnen ein tödlicher Entschluss. Ein rasanter, actionreicher Film über ein immer noch kontrovers diskutiertes Geschichts-Kapitel. Er geht unter die Haut, weil er auch die Frage stellt: Soll ich besser in Deckung bleiben und meine Familie beschützen oder kämpfe ich und riskiere, dass alle sterben? In Polen haben ihn schon 1,5 Millionen Zuschauer gesehen.

Ivan I. Tverdovskys "Corrections Class" (Russland, Deutschland) ist eine Spezialklasse, in die schwer erziehbare, verhaltensgestörte, kleinwüchsige oder epileptische Kinder abgeschoben werden. Die neue Schülerin Lena, die im Rollstuhl sitzt, gehört dort eigentlich nicht hin, sie ist unterfordert von dem anspruchslosen Sonderschul-Unterricht. Zunächst wird sie von den Mitschülern herzlich aufgenommen. Als sie und Anton aber ein Paar werden, ändert sich alles . . . Eine intensive Coming-of-Age-Geschichte, die Vorurteile in der Gesellschaft hinterfragt.

Die Kandidaten sind vorgestellt, nun hat die Jury die Qual der Wahl!