Sechs Bundesfilmpreise, fünf Bayerische Filmpreise, einen Silbernen Bären, eine Oscar-Nominierung bekam Schamoni, der an diesem Freitag seinen 75. Geburtstag feiert. Und das genregerecht und nostalgisch: Geladenen Gästen und Freunden zeige er seinen allerersten Film "Moskau 57", den er 1957 bei den Weltjugendspielen drehte. In den Tagen vor seinem Geburtstag habe er ihn neu bearbeitet, sagte Schamoni. Die Zukunft war ihm sozusagen in die Wiege gelegt, denn Schamoni stammt aus einer Filmfamilie. 1934 wurde er in Berlin als Sohn eines Filmwissenschaftlers und einer Cutterin und Drehbuchautorin geboren. Auch seine drei Brüder Victor, Thomas und Ulrich landeten in der Filmbranche. Peter Schamoni studierte Kunst-, Literatur- und Theatergeschichte, besuchte eine Schauspielschule in München und arbeitete als Regieassistent an verschiedenen Theatern. Die Lage des damaligen deutschen Films beschreibt er in Interviews als trostlos: "Es war überhaupt kein Platz in der damaligen Filmwirtschaft, der deutsche Film lebte von "Förster im Silberwald" und "Lümmels von der ersten Bank". So kam es zur Revolte: Schamoni ist 1962 Mitunterzeichner des "Oberhausener Manifests", das als die Geburtsstunde des Neuen Deutschen Films gilt. Sein Spielfilmdebüt "Schonzeit für Füchse", das sich mit dem Generationenkonflikt beschäftigt, erhielt bei der Berlinale 1966 den silbernen Bären. Beachtung und Anerkennung verdiente er sich aber vor allem mit seinen ambitionierten Künstlerbiografien: "Peter Schamoni weiß, wie man aus der Kunst von anderen Filmkunst macht", begründete die Filmbewertungsstelle Wiesbaden ihre Entscheidung zu einem Prädikat besonders wertvoll. "Sie haben ohne Zweifel ein beeindruckendes Stück Filmgeschichte geschrieben", würdigte Ministerpräsident Horst Seehofer in seiner Laudatio zum Ehrenpreis des Bayerischen Filmpreises, den Schamoni vor wenigen Monaten in München erhielt. Initialzündung für die Kunst als Thema war die Begegnung mit Max Ernst. "Das hat mein Leben wesentlich bestimmt. Er war ein Jahrhundertkünstler, der nur in einem Atemzug mit Picasso zu nennen ist", wird Schamoni zitiert. Über den Mann, dessen Kunst ihn "umhaute", drehte er mehrere Filme, etwa die Hommage "Max Ernst - mein Vagabundieren, meine Unruhe" zum 100. Geburtstag des Künstlers 1991. Sein international größter Erfolg wurde jedoch "Hundertwassers Regentag" (1972): "Peter Schamoni hat sozusagen das totale Hundertwasser-Porträt gedreht", schrieb die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", der Academy war dieser Film eine Oscarnominierung wert. Dass er auch immer wieder auf "Zur Sache Schätzchen" (Regie May Spils) angesprochen werde, verärgere ihn nicht, sagt Schamoni. Schließlich habe der von ihm produzierte Publikumsknüller (6,5 Millionen Zuschauer) ihm eine gewisse Freiheit und Unabhängigkeit beschert. Denn Schamoni spielt mit Formaten und gilt als Vordenker. Ein "originelles Dokumentationsprojekt" nannte etwa die "Frankfurter Rundschau" den Film "Majestät brauchen Sonne" (1999) über den extravaganten Kaiser Wilhelm II., die "Zeit" sprach gar von einer Sensation. Als "semidokumentarische Groteske" wird indes der Kinofilm "Daniel, der Zauberer" (2004) bezeichnet, in dem der ehemalige Castingstar Daniel Küblböck die Hauptrolle spielt. Doch mit "Botero - Geboren in Medellin" (2008) kehrte Schamoni jüngst zu seinem Lieblingsmetier zurück. Der Film beschreibt die Bilder und Skulpturen des kolumbianischen Künstlers Fernando Botero. Auch mit 75 ist Peter Schamoni nicht am Ende: "Ich will noch nicht in Pension gehen. Will gerne noch was erleben, mich beeindrucken lassen von großen Ereignissen der Kunst und der Kultur", sagte er dem Bayerischen Rundfunk über seine Zukunftspläne.