Sie kiffen. Und das ist wahrlich so ziemlich das Harmloseste an „Yung“. Der Film erzählt die Geschichte von vier Mädchen, die sich durch die Subkultur Berlins bewegen. Die Bilder zittern, Regisseur Henning Gronkowski lässt die Kamera von Adam Ginsberg wie die eines Handys wirken. Das wirkt real, auch wenn sich vor allem besorgte Väter nicht vorstellen mögen, dass das, was der Film da zeigt, auch realistisch ist.

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Zwei Jahre lang hat Gronkowski mit Berliner Teenagern gemeinsam das Projekt „Yung“ entwickelt. Herausgekommen ist ein Film, der wahrlich nichts für schwache Nerven ist. Drogen und Sex spielen in dem Film gleichsam die Hauptrollen, auch wenn sich die Geschichte, die Gronkowski erzählt, am Ende um die Freundschaft der vier Mädchen aus der Hauptstadt dreht.

Janaina, Emmy, Joy und Abbie heißen die – damit tragen die vier Darstellerinnen im Film die gleichen Namen wie im echten Leben. Auch das sorgt vor allem in den Dialogen für Authentizität.

„Yung“ ist skandalös und er ist absichtlich skandalös. Es geht um Abiturientinnen, die alles andere im Kopf haben als ihr Abitur. Ums Taschengeld aufzubessern, zeigt sich eine von ihnen nackt vor einer Webcam, tut, was die Zuschauer von ihr wollen, steigt sogar mit fremden Männern ins Bett. Eine andere verkauft Drogen.

Eine „echte“ Berliner Geschichte

Das Weltspiegel-Filmtheater zeigt „Yung“, was den Filmemachern zufolge übrigens so viel heißt wie cool und aus der Jugendsprache stammt, am Montagabend um 19.30 Uhr und hat dazu den Regisseur des Films geladen. „Es ist das echte Berlin. Es ist eine echte Geschichte“, schreibt Henning Gronkowski in seinem Statement zum Film.

Der Film greife Teile seines persönlichen Lebens auf und Teile der Welt, in die er in den vergangenen zehn Jahren selbst abgetaucht war. „Ich habe einen Weg hinaus gefunden und einen Film über meine Erfahrungen und die Menschen geschaffen, die ihn inspiriert haben“, so Gronkowski. Er wolle eine Berliner Jugendsubkultur zeigen, die sich in einer dem öffentlichen Bewusstsein verborgenen Parallelwelt abspielt.

Schrille und gefährliche Berliner Parallelwelt

Die ist schrill und gefährlich – und kann den ungeübten Zuschauer durchaus verwirren. Eine 17-Jährige vor der Sex-Webcam, vier Mädchen denen die Zukunft offensteht und nicht daraus machen wollen.

Henning Gronkowski feiert mit „Yung“ sein Spielfilmdebüt als Regisseur. Für den Film gründete der 1988 geborene Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler seine eigene Produktionsfirma. Gronkowski selbst war in Filmen wie „Finale“, „Kein großes Ding“ oder „Unterwäschelügen“ zu sehen. 

Kritiker mochten „Yung“ nach seiner Premiere im November des vergangenen Jahres. Der ganz große Aufschrei aufgrund der krassen Szenen und Darstellungen blieb aus. Vielleicht auch das ein Zeichen dafür, dass der Film – bei aller Krassheit – ganz offenbar ein reelles Bild Berlins zeigt und der Jugend, die in Deutschlands größter Stadt droht, die Orientierung zu verlieren.

„Yung“ – Film und Gespräch mit dem Regisseur, Montag, 13. Januar, 19.30 Uhr im Weltspiegel Cottbus.

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