Mr. Shaw, kurz vor den Aufnahmen zu Ihrem aktuellen Studioalbum "Outsider" verstarb ihr langjähriger Bassist Trevor Bolder. Waren die Aufnahmen danach schwieriger als sonst?
Der Tod unseres langjährigen Freundes und Bassisten Trevor Bolder vor circa zweieinhalb Jahren war sehr schmerzlich. Dadurch waren wir zu einer personellen Umbesetzung gezwungen, was sich natürlich auch auf den Sound des Albums und auch der Band insgesamt ausgewirkt hat. Aber schwieriger waren die Aufnahmen deswegen nicht wirklich. Trevor war während der kompletten Studio-Sessions in unseren Herzen mit dabei. Es war fast so, als hätte er die Aufnahmen von oben überwacht und nickend seine Zustimmung gegeben, dass nun Dave Rimmer seinen Platz am Bass bei uns einnimmt und in seinem eigenen Licht erstrahlt.

Wie sind Sie auf ihn gekommen?
Unser Schlagzeuger Russell Gilbrook hat ihn uns empfohlen. Bevor Russell 2007 fest zu Uriah Heep kam, haben sie beide früher in London gemeinsam in mehreren Bands gespielt. Er hat Daves Namen ins Spiel gebracht und uns versichert, dass er sowohl musikalisch als auch persönlich gut zu uns passen würde. Und er hat absolut recht gehabt: Dave Rimmer ist eine Traumbesetzung und sein Spiel ist einfach erstklassig. Er reiht sich damit nahtlos in die hochgradige Riege ehemaliger Uriah Heep-Bassisten ein.

Gab es jemals einen Moment, in dem Sie dachten, dass es das Ende von Uriah Heep bedeuten könnte?
Nein, niemals! Trevor und unser Bandgründer Mick Box führten zwar vor seinem Tod einige lange Gespräche, aber ich glaube, dass das niemals ein Thema war. Uriah Heep standen nach den Todesfällen von Sänger David Byron und dem Bassisten Gary Thain schon früher vor dieser Entscheidung. Trevors Tod ist für uns eine Verpflichtung, weiterzumachen. Wir wissen, dass er es so gewollt hätte. Wir fühlen alle eine Notwendigkeit, die Band sowohl durch die guten als auch durch die schlechten Zeiten zu führen.

Was vermissen Sie persönlich am meisten an Trevor Bolder?
Ich persönlich vermisse seinen besonderen Sinn für Humor.

Sehen Sie sich selbst und Ihre Band eigentlich als Outsider oder Außenseiter im Musikgeschäft?
Nein, eigentlich nicht. Obwohl wir im Musikgeschäft schon ab und zu als Außenseiter bezeichnet werden, da wir uns als ältere Garde nicht ganz so modisch und schick präsentieren, wie es heute Trend in der aktuellen Rock-Szene ist. Aber ansonsten hat weder der Song noch der Albumtitel eine tiefere Bedeutung.

Der letzte Song auf dem Album heißt "Say Goodbye". Denken Sie etwa nach rund 45 gemeinsamen Jahren vielleicht über einen baldigen Abschied der Band nach?
Nein, es ist nur ein Songtitel und wie die anderen auch ohne tiefere Bedeutung. Mick war der Meinung, dass der Song am besten dazu geeignet wäre, das neue Album zu beschließen. Nur deswegen ist er ans Ende des Albums gerutscht.

An welche Zeit von Uriah Heep erinnern Sie sich am liebsten?
Alle Phasen der Band, an die ich mich seit meinem eigenen Einstieg bei Uriah Heep 1986 erinnern kann, waren sehr speziell und spannend. Und genauso aufregend wird es sicherlich weitergehen, denn wir schreiben jetzt ein neues Kapitel von Uriah Heep. Die Gruppe sprüht vor Kreativität und entwickelt derzeit eine unvergleichliche Kraft und Energie auf der Bühne. Aber mit unserer gemeinsamen Vergangenheit als Band werde ich mich beschäftigen, wenn ich alt und abgetakelt bin. Im Moment fühle ich mich wie ein kleiner Junge in einem Bonbon-Laden.

Was darf man auf der Bühne von Ihnen erwarten?
Wir werden live natürlich eine Werkschau unserer musikalischen Geschichte präsentieren. Wir sind heiß darauf, das Publikum mit unserem aktuellen Programm zu begeistern. Nur das macht uns glücklich und hält uns auf Draht.

Mit Bernie Shaw

sprach Thorsten Hengst