Wie kam es zur Gründung der Lach- und Schießgesellschaft„
Der Raum in der Ursulastraße 9 in München-Schwabing war frei. Vorher hatten wir mit dem Studentenensemble „Die Namenlosen“ dort gespielt, dann musste der Raum wieder bespielt werden. Der Vermieter hat uns überredet, schnell ein Programm aufzustellen. Ein solches hatte ich schon fertig, es war eigentlich für das Studentenensemble gedacht. So kam es, dass ich das erste Programm der Lach- und Schießgesellschaft alleine geschrieben habe.

Können Sie sich noch an die erste Aufführung erinnern“
Natürlich, wir waren ja ein spontan zusammengetretener Club und hatten nur drei Wochen Zeit, ein Programm von zwei Stunden zu proben. Und man hat sich in diesem Schnellkursus erst einmal kennenlernen müssen. Wir mussten erst einmal zusammenfinden, uns bewähren in einem Ensemble, das einen merkwürdigen Namen trug, an einem merkwürdigen Ort und zu einem Datum auftrat, an dem man keine Premieren macht.

In welchem politischen Umfeld bewegte sich die Lach- und Schießgesellschaft damals„
Es gab diese Bundesregierung unter Konrad Adenauer, die Restauration, das Wirtschaftswunder. Es gab das deutsche „Wir-sind-wieder-wer“ -Gefühl, Deutschland war seit zwei Jahren Fußball-Weltmeister. Es gab den wiederaufblühenden Rechtsradikalismus, es gab den Anfang des Neonazismus und die Absicht der Bundesregierung, wieder eine Armee aufzustellen. Es gab Hinweise auf eine blühende Korruptionslandschaft, es gab schon damals Franz Josef Strauß, es gab Rüstungsgeschäfte: Themen gab es genug.

Unterhaltung und Politik schienen bei der Lach- und Schießgesellschaft trefflich zusammengepasst zu haben“
Gute Unterhaltung ist Bedingung für ein Kabarettprogramm. Nichts sollte als Belehrung unten ankommen, sondern als Beitrag zur Problemsicht. Aufführungen waren immer Treffen von Gleichgeplagten - es war eine Verbindung zwischen der Bühne und dem Zuschauerraum. Heute treffe ich immer wieder Leute, die damals in München studiert haben und sagen, ihr politisches Denken sei durch uns beeinflusst worden.

Hat das politische Kabarett eine Zukunft?
Es wird nie Zeiten geben, in denen nicht ein Kritiker der Zeit noch etwas anzuhängen hat - und das dann mit Recht. Ob die Bahnen nicht rechtzeitig fahren oder die Sonne falsch untergeht, wir haben immer was zu meckern.

Mit DIETER HILDEBRANDT sprachen Hilmar Bahr und Kathrin Zeilmann