Und dass sich dieses Mädchen dann enttäuscht, aber wild entschlossen mit einer 75 Jahre alten Nachbarin auf den Weg nach Polen macht, wo sein Vater gerade angelegt haben soll, auch. Johannes Schmid erzählt in „Wintertochter“ diese Geschichte mit einer wohltuenden, unaufgeregten Selbstverständlichkeit, lässt nicht nur Kattaka, sondern auch die alte Lene nach ihren Familienwurzeln suchen, und thematisiert noch ganz nebenbei die Schrecken des Zweiten Weltkrieges. Es ist kalt in Berlin zu Weihnachten, und noch kälter in Stettin, später in Danzig und in den Masuren. Stationen, die Lene (Ursula Werner) und Kattaka (Nina Monka) auf den Weg in die Vergangenheit machen. Schnee bedeckt die Landschaft, nur ganz selten schafft es ein Sonnenstrahl durch den grauen Himmel. Und doch sprüht Schmids Familienfilm niemals eine Kälte aus, rutscht niemals ins Klischeehafte ab. Stattdessen widmet sich der 38-jährige Filmemacher und Drehbuchautor („Blöde Mütze!“) seinen Figuren mit großer Ernsthaftigkeit und Respekt.

Deutschland, Polen 2011, 90 Min., FSK ab 0, von Johannes Schmid, mit Ursula Werner, Nina Minka, Leon Seidel