Dies sei in erster Linie Aufgabe der Länder und Kommunen. Die Intendantin der Berliner Philharmoniker, Pamela Rosenberg, warnte vor weiteren Personal- und Mittelstreichungen bei den 950 öffentlichen Musikschulen in Deutschland. "Die Alarmglocken läuten", sagte sie. Viele sozial schwache Familien könnten sich Musikunterricht für ihre Kinder nicht mehr leisten.
Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) betonte in Berlin, kulturelle Bildung sei für die Gesellschaft von grundlegender Bedeutung. Öffentliche Kultureinrichtungen sollten nicht nur nach Einnahmen und Besucherzahlen bemessen werden.
Der Deutsche Musikrat sprach von einer "zunehmenden Privatisierung" der Musikschulen, der Unterricht werde damit immer teurer. Vor allem das Ensemblespiel bleibe dadurch auf der Strecke.
Musik könne eine "existenzielle Bedeutung für Kinder" entfalten, sagte Rosenberg. Das Erlernen eines Instruments fördere die Ausdauer und bringe Erfolgserlebnisse, die für Menschen prägend sein könnten. "Wir produzieren viele Menschen, die mit sich und der Gesellschaft nicht zurecht kommen". Viel Geld werde an der falschen Stelle ausgegeben. "Die Hälfte der Gefängnisse könnte überflüssig sein, wenn wir mehr in die musikalische Früherziehung investieren", sagte die Philharmoniker-Intendantin.
Auch im regulären Schulunterricht verliere Musik an Bedeutung, wie das etwa in Berlin der Fall sei. Nach dem neuen Berliner Schulgesetz soll an den 15 musikbetonten Schulen der Stadt der Einzelunterricht für ein Instrument drastisch gekürzt werden. Das Fach Musik werde in den Schulen "an den Rand" gedrängt.
Als positives Beispiel für musikalische Förderung nannte Rosenberg das Netz von Musikschulen in Venezuela, wo zehntausende Kinder und Jugendliche aus Slums ein Instrument erlernen und gleichzeitig im Orchester spielen. Dadurch werde ihre gesellschaftliche Integration gefördert. Auch das öffentliche Projekt "Jedem Kind ein Instrument" in Nordrhein-Westfalen sei ein Grund zur Hoffnung, sagte Rosenberg.
Von der Leyen betonte, der Bund unterstütze bereits mit Modellprojekten die musikalische Früherziehung in Krippen und Kindergärten. Neben der öffentlichen Förderung sei aber auch das zivilgesellschaftliche Engagement notwendig.
(dpa/pb)