Herr Schuster, am Sonntag ist bundesweit Tag der Architektur. Auch in in Brandenburg und Sachsen sind am Wochenende Häuser geöffnet. Was zeichnet diese eigentlich ganz unterschiedlichen Bauwerke aus?
Richtig, es ist ein buntes Programm, historische Bausubstanz, grundlegende Um- und Erweiterungsbauten und natürlich auch Neubau, private Wohnhäuser genauso wie öffentliche Gebäude. Es zeigt, woran Architekten im ganzen Land arbeiten. Das Programm wird von einer Jury zusammengestellt, die einerseits diese Breite im Blick hat, andererseits wählt sie aus der Vielzahl der Bewerbungen natürlich Bauwerke aus, die einen besonders hohen gestalterischen Anspruch haben. Am Tag der Architektur werben wir für eine qualitätsvolle Planung und Bauausführung. Sie können vor Ort erfahren - und bewundern - was möglich ist, wenn begeisterte Bauherren und engagierte Architekten zusammenwirken.

Spektakuläre Neubauten sind in der Lausitz kaum zu finden, stattdessen viel Bauen im Bestand. Ist das typisch für zeitgenössisches Bauen?
Tatsächlich spielt sich heute ein Großteil der Architektentätigkeit in bestehender Bausubtanz oder deren Umfeld ab, aber diese Aufgaben sind deshalb nicht weniger reizvoll. Selbst bei der Sanierung eines hochkarätigen Baudenkmals wie dem Renaissance-Schloss in Finsterwalde ergibt sich eine Fülle von Detailfragen, für die Antworten aus unserer Zeit gefunden werden müssen. Besonders spannend finde ich es, wenn moderne Architektur sich selbstbewusst in historischer Umgebung behauptet, ohne sie zu dominieren. So wie bei dem fehlenden Stück Stadtmauer in Lübben, die mit neuen Backsteinen und Fassungen aus Betonelementen ergänzt wurde. Auch die Erweiterung der Kita in Cottbus, wo dem vorhandenen 20er-Jahre-Klinkerbau ein flacher Kubus zur Seite gestellt wurde, überzeugt mich.

Nicht jeden Betrachter überzeugt allerdings solche moderne Architektur. . .
Darüber besteht am Sonntag Gelegenheit zu diskutieren. Wir wollen ja gerade diesen Dialog über zeitgenössische Baukunst, gern auch kritische Fragen. Was wir heute bauen, steht für eine sehr, sehr lange Zeit. Deshalb lohnt es sich immer, über Baukultur zu sprechen, auch darüber zu streiten.

Reicht dafür ein Tag im Jahr aus?
Natürlich nicht, als Architektenkammer versuchen wir in der Lausitz auf ganz verschiedene Weise, Interesse für Qualität beim Planen und Bauen zu wecken. Aktuell betreuen wir den Architektenwettbewerb für das denkmalgeschützte Wohnquartier Cottbuser Tor und wir motivieren an der Erich-Kästner-Grundschule Cottbus junge "Stadtentdecker", sich im Rahmen eines Unterrichtsprojektes mit ihrer gebauten Umwelt auseinanderzusetzen. Im vergangenen Jahr haben wir an der BTU Studentenarbeiten zum barrierefreien Bauen ausgezeichnet, davor in Schönewalde (Elbe-Elster) eine Werkstatt zu den baulichen Herausforderungen für Klein städte im ländlichen Raum durchgeführt. Aber der Tag der Architektur ist jedes Jahr wieder sicherlich das, was am stärksten öffentlich wahrgenommen wird - einfach weil alle eingeladen sind, gute Architektur am praktischen Beispiel kennenzulernen.

Mit Bernhard Schuster sprach Reinhard Junge

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Zum Thema:
Am morgigen Sonntag sind in der Lausitz folgende Bauten von 13 bis 18 Uhr geöffnet, die Architekten bieten jeweils um 13, 15 und 17 Uhr Führungen an: Erweiterung Kindertagesstätte, Hans-Sachs-Straße 27 in Cottbus (Architekt: Christoph Schulze aus Cottbus), Wochenendhaus, Am Campingplatz 2 in Schenkendöbern OT Pinnow (Architekt: Siegfried Kesse aus Guben), Westlicher Altstadtrand, Brückenplatz in Lübben (Architekten: Heinz Nagler und Christoph Diek aus Cottbus), Bürgerzentrum "Darre", Schlosshof in Lieberose (Architektin: Stefanie Reinke aus Lieberose), Schloss, Schlossstraße 7 in Finsterwalde (Architekt: Hans-Joachim Krekeler aus Brandenburg an der Havel) Am heutigen Samstag von 11 bis 13 Uhr vorgestellt wird das Konrad-Wachsmann-Museum, Goethestraße 2 in Niesky (Architekten: Rolf Klinkenbusch und Daniel Kunze aus Dresden). Am Sonntag von 10 bis 16 Uhr vorgestellt wird die Landesfeuerwehrschule, St.-Florian-Weg 1 in Elsterheide OT Nardt (Architekt: Peter Wörmann, Cottbus). Der Tag der Architektur in Brandenburg und Sachsen ak-brandenburg.de/tag-der-architektur-2015 tda2015.aksachsen.org.