Anlässlich von Heinz Erhardts 100. Geburtstag hatte es 2009 in der Berliner Philharmonie die Premiere dieser Konzertveranstaltung mit bis dahin ungespielten und unveröffentlichten Kompositionen Ehrhardts gegeben.

Vorweg: Gar zu klassisch wurde das Konzert in Saathain dann doch nicht, denn auch die Musikstücke lassen die typische Erhardtsche Schlitzohrigkeit heraushören. Eigentlich gab es diese Kompositionen gar nicht. Erst nach dem Tod von Heinz Erhardt fanden seine Kinder handgeschriebene Noten für 64 kurze Stücke, die Erhardt als junger Mann komponiert hatte. Für den in Riga geborenen Sohn eines namhaften Dirigenten und den Enkel eines Musikalienhändlers war die musikalische Laufbahn bereitet, die mit einem Musikstudium in Leipzig in Angriff genommen wurde. Dass dann alles anders kam, er die Kabarett- und Bühnenbretter und nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem die Filmleinwand eroberte, wussten die Besucher in der Saathainer Kirche. Schließlich sind Filme wie ,,Der müde Theodor" oder ,,Witwer mit fünf Töchtern" in das cineastische Gedächtnis mehrerer Generationen eingebrannt. Auch als Dichter und Texter flotter hintergründiger Texte mit speziellem Humor und als flotten Klavierspieler hat man ihn aus Fernsehsendungen vor Augen. Aber Heinz Erhardt als fleißiger und auch ernsthafter Komponist?

,,Ich kannte Heinz Erhardt gar nicht, lernte ihn erst durch die Kompositionen kennen", erzählt Chie Shii, die seit 23 Jahren in Deutschland lebt. Sie hatte das Glück, durch die Bekanntschaft mit Heinz Erhardts Kindern vor neun Jahren die 64 Stücke als erste Musikerin in die Hände zu bekommen. Sie spielte sie auf dem Original-Flügel des Meisters und überzeugte die Erben, die Stücke zu veröffentlichen und ein Programm daraus zu stricken.

Dieser ,,Sensationsfund", wie ihn Shii bezeichnet, macht das Publikum auf dem Saathainer Gutshof intensiv mit einer nicht so bekannten Seite des beliebten Schauspielers bekannt. Das gelingt, weil die japanische Pianistin sich zum Erhardt-Fan besonderer Couleur entwickelt hat. Sie entdeckt zwischen seiner Musik und Poesie intensive Verwandtschaften. So versteht sie auch in Saathain, die passenden Gedichte und Lebenserinnerungen mit Kompositionen in Beziehung zu setzen. Erhardts Credo, ,,Humor ist eine ernste Sache", bekommt dabei eine ganz selbstverständliche Dimension. Im ersten Konzertteil kommen Musik und Texte vor allem kurzweilig und harmonisch daher: Vor allem in den acht kurzen Préludes kombiniert mit seinen Vierzeilern, denn ,,In nur vier Zeilen was zu sagen/ erscheint zwar leicht; doch ist es schwer!/ Man braucht ja nur mal nachzuschlagen:/ die meisten Dichter brauchten mehr . . ." . Lächelnd gibt sich Chie Shii Mühe, den ,,Walzer eines Wahnsinnigen" nach Erhardts Anweisungen ,,mit jedem Takt in verschiedenen Geschwindigkeiten und Lautstärken" zu spielen. Eben wahnsinnig! Der zweite Konzertteil gerät dramatisch, melancholisch, romantisch - mit Balladen und auch mit neuem fantasievollen Kostüm der Pianistin. Es gibt die Hommage an Erhardts Eltern, ,,die waren zwei Stück, Vater hatte zwei Villen, einen guten und einen bösen", und vor allem an Erhardts Frau Gilda Zanetti. ,,Ohne dich wie ein Kragen ohne Schlips", fühlte er sich. Zwar kommt Erhardt als Wehrmachtsangehöriger zur Truppenbetreuung wenig mit dem tatsächlichen Krieg in Berührung, aber er klagt, dass Gott zwar Berge und Meere gemacht habe, aber ,,uns den Frieden zu geben/ hat er nicht fertiggebracht".

Zum Schluss des Konzertes spielt Chie Shii Erhardts Lieblingskomponisten Chopin und beweist sich als brillante Pianistin. ,,Schön ist das Konzert, das gleich zu Ende ist", zitiert sie schelmisch Erhardt. Das findet das Saathainer Publikum gar nicht und will die sympathische Musikerin nicht ziehen lassen.