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RTL wirbt mit Cottbuser Sänger um Zuschauer

Wo fühlst du dich Zuhause? Mein Kopf ist in Berlin, mein Herz ist in Cottbus. Meine Eltern sind aus Berlin wieder hierher gezogen und wohnen jetzt in Spreewitz bei Spremberg, meine Oma und Opa in der Nähe des Altmarktes. Deswegen bin ich oft hier. Ich bin auch oft im Stadion. Hier bin ich aufgewachsen und zu dem geworden, was ich bin: Sänger, Fußballer und Student. Die Stadt hat also noch eine große Bedeutung für dich. Absolut. Wenn die Saison läuft, versuche ich zum Beispiel zu jedem Energie-Heimspiel hier zu sein und die Mannschaft zu unterstützen. Pflegst du dann auch alte Kontakte? Ja, durch meine Musik kommen natürlich immer mehr neue Kontakte zu Stande. Aber ich treffe mich zum Beispiel oft mit Diskus-Weltmeister Robert Harting hier, dessen Eltern in Burg wohnen. Sonst gibt es nur noch wenige frühere Freunde. Viele sind weggegangen. Du wohnst selbst jetzt in Berlin. Wie ist es, wieder zurückzukommen? In Cottbus fühle ich mich gleich angekommen. Wenn ich zu Konzerten unterwegs bin, spielt man in der Stadt B oder C. Da weiß ich, wo ich abends auftrete. Aber hier erinnere ich mich sofort, wo ich mich zum ersten Mal mit einer Frau geküsst habe. Oder wo wir in der Schmellwitzer Straße damals die Tore aufgebaut haben. Wir hatten uns auf der Wiese unseren eigenen Fußballplatz gebaut. Diese Erinnerungen gehen einem sofort durch den Kopf. Jetzt hast du diese Erinnerungen in Songs gepackt und stehst damit auf der Bühne. Wie fühlt es sich an, die eigenen Lieder zu singen? Das ist eine Findungsphase, die zurzeit stattfindet. Ich mache seit acht oder neun Jahren Musik. Aber seit zwei Jahren habe ich mich quasi gefunden und getraut, eigene Songs zu schreiben. Dieser Prozess muss erst einmal stattfinden: Eigene Ideen in Songs zu kanalisieren, Emotionen zu zeigen. Man schreibt ja immer über das, was einem fehlt. Seit ich zwölf bin, war ich auf dem Internat oder später mit Fußballmannschaften ständig unterwegs. Da fehlt das Zuhause. Deswegen hatte ich das Bedürfnis, darüber zu schreiben. So ist "Weil ich wieder zu Hause bin" entstanden. Ich war vor zwei Jahren das erste Mal seit 13 Jahren wieder hier und ich hatte die Songzeile: "Das ist der Baum, auf dem ich immer saß". Darum herum habe ich das Lied geschrieben. Bei dem einen dauert es länger, eigene Songs zu schreiben, wie bei mir. Bei dem Anderen geht es schneller und bei manchen funktioniert es gar nicht. Es gibt viele bekannte Sänger, die noch nie ein eigenes Lied geschrieben haben. Umso stolzer macht es mich, wenn ich weiß, das ist von mir, die Ideen und musikalischen Ideen kommen von mir selbst. Zwölf davon haben es auf dein erstes Album geschafft: Wie viel Material gab es insgesamt? Wir hatten letztendlich nur 14 Songs. Sie hatten Hand und Fuß und waren gleich so persönlich, dass wir gesagt haben: Das reicht uns. Meistens hat man eher 20 Songs, von denen fünf dann B-Seiten werden könnten oder noch nicht so reif sind, wie man sie sich vorstellt. Ich habe mich vergangene Woche mal hingesetzt und habe mir die ersten Demoaufnahmen angehört. Es ist unheimlich interessant, wie sich die Songs und das Album in den letzten zwei Jahren entwickelt haben. Bist du jemand, der Ideen gleich aufschreibt oder eher erst mal sammelt und dann aufs Papier bringt? Dieser Prozess entwickelt sich auch gerade erst. Ich fahre früh oft mit dem Auto oder Fahrrad zur Uni. Da entstehen die meisten Ideen. Das ist natürlich nicht immer gut im Auto mit dem Handy in der Hand. Ich schreibe aber alles sofort auf. Ich habe mir jetzt ein Songbook angelegt, wo ich alles notiere: Ob es ein Wort ist, oder eine Songidee oder wenn ich ein tolles Lied im Radio höre und denke, da könnte man ja über eine Referenz nachdenken. Ich bin schließlich geprägt durch Musik und lasse mich davon auch inspirieren. Was für Musik prägt dich? Xavier Naidoo kann ich nicht leugnen. Als DJ bin ich musikalisch relativ breit gefächert. In den 80ern ist unheimlich viel gute Musik entstanden, wie zum Beispiel von Michael Jackson, Chicago oder Bryan Adams. Herbert Grönemeyer hat mich textlich sehr geprägt. Ost-Rock gehört auch dazu. Keimzeit oder die Puhdys hatten geile Songs mit geilen Texten. Davon lasse ich mich gerne inspirieren. Du baust in deine Lieder ungewöhnlich viele Instrumente ein, die sonst nicht unbedingt in klassischen Popsongs auftauchen. Jedes Instrument erzählt etwas. Mit der Mundharmonika zum Beispiel verbindet man Freiheit, man streift damit über Felder. Das Cello wirkt sehr einsam und intim. Das wollte ich unbedingt auf dem Album wiederspiegeln und mich darüber auch ausdrücken. Die Songs sollten Charakter haben und organisch sein. Das klingt nach einem großen Aufwand. Voll. Wir haben viel Geld und Zeit investiert. Grob steht ein Song ziemlich schnell, aber es sind dann manchmal die Kleinigkeiten, die ihn am Ende vielleicht nicht zum Hit, aber besonders machen. Du hast an der Casting-Show "X-Factor" teilgenommen und galtest als einer der Favoriten. Wegen eines vorgetäuschten Kreuzbandrisses flogst du aber aus der Sendung. Damit gehst du ganz offen um. War das eine bewusste Entscheidung, da klar ist, dass es garantiert thematisiert wird? Wir haben uns natürlich hingesetzt und überlegt, wie wir mich darstellen. Und diese X-Factor-Geschichte hat mich dorthin gebracht, wo ich heute bin. Wenn es nicht passiert wäre, wie es letztendlich passiert ist, hätte ich nicht dieses Album in der Hand. Normalerweise ist man nach der Teilnahme in so einer Show verbrannt. Bei mir war es glücklicherweise so, dass sich trotz meines Fehlers unheimlich viele Türen geöffnet haben. Dafür bin ich sehr dankbar. Wir haben natürlich nachgedacht, ob wir sagen wie es war oder nicht. Leute, die über mich schreiben, würden wahrscheinlich immer wieder über diese Geschichte fallen. Ich habe jetzt aber festgestellt: Wenn die Musik gut genug ist, interessiert es sie gar nicht, was gewesen ist. Wir wollten damit offen umgehen, weil es einfach dumm gelaufen war: Ich stand vor einem Millionenpublikum mit einer Krücke. Dann bin ich rausgeflogen. Es war eine skurrile Geschichte und zeigt, wie ich ein bisschen auch bin. Ich stehe zu meinen Fehlern, wir sind alle nur Menschen. Entscheidend ist, dass man daraus etwas lernt. Und das habe ich getan. Ich habe mich auf das besonnen, was ich kann. Die Geschichte hat mir gezeigt, dass ich mich trauen muss, eigene Musik zu machen. Wie war damals deine erste Reaktion? Die Aufzeichnungen waren in Rom. Dort saß ich im meinem Hotelzimmer und der Boden brach weg. Das war einer der schwärzesten Momente in meinem Leben. Wichtig war, dass meine Familie hinter mir gestanden hat. Im Leben gehen Türen zu, aber andere auch auf. Das habe ich aus dem Fußball gelernt: Man lernt am meisten aus Niederlagen. Den Gedanken ans Aufhören gab es also nicht? Nein, nie. Es war die Zeit, wo ich es selbst in die Hand nehmen musste. Ich wollte immer auf die Bühne. Man merkt, ob man das kann oder nicht. Und ich kann es. Früher hatte ich auf der Bühne viel zu viel gemacht, dieses Selbstbewusstsein kam bei den Leuten ein bisschen arrogant rüber. Mittlerweile bin ich wirklich ich selbst auf der Bühne. Das merken die Leute und es kommt viel Positives zurück. "Weil ich wieder zu Hause bin" läuft jetzt vor Millionen Zuschauern einen Monat lang in den Programm-Ankündigungen auf RTL. Wie groß war die Freude, als du ihn das erste Mal gesehen hast? Das war ein geiles Gefühl, ich fand sie auch mit den Bildern sehr emotional. Wenn ein großer Sender wie RTL sagt: "Das ist der Song, mit dem wir werben wollen" ist das ein tolle Bestätigung. Als Fußballer darfst du demnächst mit Falkensee-Finkenkrug gegen den Bundesligisten VfB Stuttgart im DFB-Pokal antreten. Dazu kommt fast gleichzeitig dein Album in die Läden. Bist du sportlich und musikalisch auf deinem Höhepunkt? Musikalisch auf keinen Fall. Fußballerisch ja, da geht nicht viel mehr. Mit der Musik ist aber ganz klar mein Ziel, eine Nummer eins zu haben. Da ist noch Luft nach oben. Wie geht es weiter für dich? Am 10. August erscheint das Album "Zweimal bis Unendlich". Rund um den Termin spielen wir relativ viele Festivals, auch mit Philipp Poisel und Tim Bendzko zusammen, quasi der Champions League. Im Oktober und November folgt dann eine Tour mit acht bis zehn Konzerten, auch hier in Cottbus. Anschließend geht es wahrscheinlich weiter als Support für einen großen Künstler auf seiner Tour. Wir geben also richtig Gas. Zur Person: Alexander Knappe wird 1985 in Cottbus geboren. Er beginnt früh mit dem Sport, zuerst mit Leichtathletik in der Trainingsgruppe von Diskus-Weltmeister Robert Harting. Dann wechselt er zum Fußball. Mit 13 Jahren wird er von Scouts von Herthe BSC in der Jugend von Energie Cottbus entdeckt, es folgt der Wechsel auf eine Sportschule in Berlin. Mit 18 reißt sein Kreuzband - die Kicker-Karriere ist vorbei. Spontan nimmt er kurz darauf an einem Radion-Gesangscasting in Cottbus teil und gewinnt. Mehrere Band-Projekte folgen. 2010 singt er in der TV-Show "X-Factor" - und wird schnell zum Favoriten erkoren. Ein anderes Musik-Projekt wollte ihn aber haben, Knappe erfand einen Kreuzbandriss, um ohne Probleme aus der TV-Show aussteigen zu können. Der Schwindel flog auf - und Knappe raus. Danach beginnt er mit der Arbeit an seinem Debüt-Album "Zweimal bis Unendlich", das am 10. August in die Läden kommt.