Herr Dreilich, Karat haben den 40. Geburtstag der Band mit einem Jubiläumskonzert und vielen Gästen am 20. Juni auf der Waldbühne in Berlin gefeiert. Ist im Jubiläumsjahr alles so abgelaufen, wie Sie es sich gewünscht haben?
Unser Konzert in der Berliner Waldbühne war für uns ein besonderes Erlebnis: Unser Jubiläum mit etwa 10 000 Zuschauern und Musikerkollegen wie Ute Freudenberg, Matthias Reim und Gregor Meyle an diesem Ort gemeinsam zu feiern, war wirklich einer der Höhepunkte in diesem Jahr. Aber wir haben ja nicht nur das eine Konzert gegeben, sondern mehrere, auf denen glücklicherweise überall gefeiert wurde. Wir sind von den Fans wirklich herzlich beschenkt worden. Es ist alles so eingetreten, wie wir es uns gewünscht haben und sogar noch ein bisschen mehr.

Seit mehr als zehn Jahren sind Sie Sänger bei Karat. Haben Sie die Entscheidung jemals bereut, nach dem Tod Ihres Vaters, Herbert Dreilich, dem ehemaligen Sänger von Karat, in die Band einzusteigen?

Nein, ich habe das nie bereut und war nie unsicher. Ich bin ein konsequenter Mensch. Wenn ich mich für etwas entscheide, dann zu 100 Prozent oder sogar mehr. Wir hatten es in den vergangenen zehn Jahren nicht immer einfach. Wir wussten manchmal nicht, wie es weitergeht. Doch auch in diesen Momenten habe ich meine Entscheidung, bei Karat zu singen, nicht bereut. Es war also absolut richtig.

Es waren große Fußstapfen, in die Sie damals getreten sind. Wie sehr fühlen Sie sich Ihrem Vater heute verbunden?
Ich fühle mich meinem Vater noch immer sehr verbunden. Ich habe ihn sehr gern gemocht. Wenn man seine Eltern verliert, trägt man die Erinnerung an sie immer als Kind mit sich. So ist es bei mir auch. Er ist immer da, und das ist auch gut so. Das macht mich sehr zufrieden.

Wie hat die Band Karat im Jubiläumsjahr an Ihren Vater erinnert?
Mein Vater selbst mochte das zu Lebzeiten eigentlich gar nicht so, irgendwelcher verstorbenen Künstler auf der Bühne zu gedenken. Deshalb haben wir versucht, das elegant zu lösen. Bei jedem Konzert spielen wir das Lied "Mich zwingt keiner auf die Knie". Das war ein Song meines Vaters, den er sehr gemocht hat. In der Waldbühne haben wir zu diesem Lied noch ein paar Bilder von ihm auf der Leinwand gezeigt. Das war der Moment, in dem wir an ihn gedacht haben.

Karat sind wieder einmal in Cottbus zu Gast. Was gefällt Ihnen an der Stadt?
In der Stadthalle in Cottbus spielen wir gern, da fühlen wir uns wohl. Mit Cottbus verbinden uns viele gute Erinnerungen, unsere Konzerte sind gut besucht, und das Publikum ist einfach toll. Und vielleicht darf ich noch sagen: Natürlich ist es nach dem Konzert angenehm, dass das Hotel, in dem wir übernachten, gleich neben der Stadthalle steht. Das macht es für uns sehr einfach.

Klassiker wie "Schwanenkönig", "Albatros", "Über sieben Brücken musst du gehn" oder "Der blaue Planet" spielen Sie mit der Band in Cottbus als Akustik-Versionen. Klingen die Hits von Karat denn dann noch nach Karat?
Es sind streckenweise neue Arrangements von alten Liedern entstanden. Vielleicht erkennt man sie nicht sofort beim ersten Ton. Aber spätestens, wenn eine bekannte Hookline auftritt, reagieren viele und denken, ach ja, das ist ja das Lied. Das hat Spaß gemacht, das so zu kreieren. Interessant ist auch zu sehen, wie die Leute warten und überlegen: Kenne ich das Lied oder kenne ich es nicht. Das ist unterhaltend und für uns ein anderer Anspruch der Musikalität. Akustisch Lieder zu präsentieren ist doch etwas anderes, als voll unter Strom mit unseren Sounds zu arbeiten. Da überhört man vielleicht auch mal einen nicht so gelungenen Ton. Doch bei akustisch vorgetragenen Liedern hört man alles.

Mit Claudius Dreilich

sprach Thomas Seifert