Es ist nicht nur der Klezmer, die überlieferte Folklore jüdischer Spielleute, der er den Beinamen "Singende Klarinette" verdankt. Feidman fühlt sich auch in den Gattungen Jazz, Soul, Pop, Klassik und Avantgarde zu Hause und verschmilzt diese oft zu eindringlichen Klangerlebnissen - zu einer Art "Weltmusik". Heute wird der "King of Klezmer" 70 - und feiert in Stuttgart.
Der 1936 in Buenos Aires (Argentinien) geborene Sohn jüdischer Einwanderer ist nicht nur Grenzgänger in der Kunst - so spielte er in Filmen wie "Jenseits der Stille", "Schindlers Liste" und "Comedian Harmonists" mit - , er versteht sich auch als Vermittler zwischen den Kulturen und Religionen. So beseelt, einfühlsam und leise seine Musik oft klingt: Feidman kann auch mit der Faust auf den Tisch schlagen, wenn es um den Frieden in der Welt geht. "Wie in Deutschland viele Kulturen friedlich zusammenleben, müssen auch Juden und Palästinenser lernen, miteinander auszukommen", sagt er.
Seine Appelle für Völkerverständigung sind ebenso deutlich wie die für die Kunst, in der er das Heilmittel für die Probleme der Menschen sieht. So wählt er zum Beispiel Mozarts "international verbindende Musik", das Klarinettenkonzert, um an seinem Geburtstag in Stuttgart Menschen aus aller Welt zusammenzubringen. Israelische Freunde richten für den mehrfachen Großvater im Theaterhaus das Ballett-Musikprojekt "Dialog in Mozart" aus, bei dem er neben Tänzern auf der Bühne spielt. Es ist ihm ein tiefes Anliegen, die Künste zu vereinen; deshalb fordert er sogar Hochschulen auf, bei der Ausbildung von Künstlern nicht zu sehr in Fachbereichen zu denken.
Feidman bekam als Kind seine erste Klarinette und studierte später am Konservatorium in Buenos Aires. Als 18-Jähriger musizierte er erstmals in einem Symphonieorchester und spielte von Mitte der 1950er-Jahre an 20 Jahre lang Bassklarinette im Philharmonischen Orchester Israel. Seinen Durchbruch in Deutschland feierte er 1984 in Berlin in Peter Zadeks Inszenierung von Joshua Sobols Holocaust-Musical "Ghetto" in der Freien Volksbühne. Wenig später, 1985, gab er in der Berliner Philharmonie sein erstes Deutschlandkonzert.
Deutschland sei ihm zu einer zweiten Heimat geworden, sagt Feidman, der als erster Künstler im Bundestag spielte. "Ich fühle mich zu Hause in Deutschland." Doch viele Juden in Israel schütteln mit Blick auf die Judenvernichtung im Zweiten Weltkrieg immer noch den Kopf wegen seiner vielen Auftritte im Land der Täter. Im Mai 2005 wurde in Luxemburg das Musiktheaterstück "No thing But Music" uraufgeführt - über das bewegte Leben des Künstlers, der strenger Vegetarier ist. Bis heute folgten neben Konzerten zahlreiche Engagements in Opern- und Musicalinszenierungen.
Einen spektakulären Auftritt hatte der stets um die Versöhnung von Christen und Juden bemühte Feidman im August 2005, als er beim katholischen Weltjugendtag in Köln vor Papst Benedikt XVI. und rund 800 000 Menschen eine Messe musikalisch begleitete. Das Fernsehen übertrug das Ereignis in die ganze Welt.