Unter dem Titel ,,Sichtkontakt" werden Stadt-, Landschafts- und Menschenbilder gezeigt. Jürgen Fuchs, neuer Vorsitzender der Geschäftsführung der BASF Schwarzheide GmbH, eröffnete in Anwesenheit des Künstlers die Schau, in die Kulturhistorikerin Michaela Angelis einführte. Fast das vollständige Schaffen der letzten fünfzehn Jahre ist im BASF-Kulturhaus zu sehen.

1963 in Düsseldorf geboren, studiert Joseas R. Helmes nach dem Schulabschluss in Vechta an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf und kommt 1985 nach Berlin, wo er den Schmelztiegel verschiedener Kulturen und künstlerischer Ausdrucksformen im damaligen Westberlin aufsaugt und in den 90ern noch einmal am Institut für Kunst im Kontext der HdK Berlin studiert.

Umfeld und Kunst bilden auch für das private Leben von Helmes eine Einheit, so spiegeln die in der Ausstellung gezeigten Bilder Berliner Erfahrungen vor und nach der Wende sowie sein Leben im ländlichen Umfeld von Senzke im Brandenburgischen, wo er das Kulturprojekt ,,Schloss Senzke" realisiert, und von Brandenburg, wo er seit 2001 lebt und in der JVA als Künstler sozialtherapeutische Behandlungsprogramme entwickelt.

Das sind doch Fotografien, reagiert der uninformierte Besucher zunächst beim Anblick der mitunter fast 2 x 3 Meter großen Bilder. Ja, wie sehr gut gemachte Fotografien sehen die Arbeiten in Öl auf Acryl im großen Saal des Kulturhauses, der zum Glück die nötigen weiten Sichtachsen bietet, aus. Bis auf das kleinste Detail sind vor allem Landschaften wie ,,Brombeeren am Scheideweg" und ,,Verwilderter Garten im Winter" der Natur mit dem Pinsel scheinbar nicht nur nachempfunden worden, sondern sie vermitteln die Suggestion der realen Natur bis ins Detail.

Erst beim Herantreten an die Bilder kann der Betrachter die Vielzahl kleinster Farbpunkte und -flecken entdecken, die mit feinem Pinsel auf die großen Leinwände in oft monatelanger akribischer Arbeit pro Bild getupft wurden. Helmes schießt eine Vielzahl von Fotos bei seinen Streifzügen durch Stadt und Natur und wählt daraus für seine Bildmotive aus. ,,Sinnliche Erlebnisse des Künstlers beim Gang durch die Natur" nennt Laudatorin Angelis dieses Herangehen an den künstlerischen Schaffensprozess. Die spannende Frage ist nun, was von dieser technisch brillant umgesetzten privaten Erlebniswelt beim Betrachter ankommt und ob es Aussagen zum Entschlüsseln gibt. Für einen Teil der Betrachter sind es wunderschöne und technisch brillante realistische Wiedergaben der Natur und von Städtelandschaften, anderen Betrachtern fehlt die Botschaft, die Metapher, der persönliche Strich, das in die Natur Hineininterpretierte. Zwischen ,,herrlich" und ,,das sagt mir nicht mehr als die eine Momentaufnahme realistisch wiedergebende Fotografie" schwankt die Beurteilung.

Am ehesten sind bei den Schaufensterbildern der 80er-Jahre noch individuelle Sichtmöglichkeiten für den Betrachter möglich, wenn reale Welt der vorübereilenden Passanten und der dick im Mantel eingehüllten Käuferin auf die verlockende Welt der Schaufensterpuppen in reizvollen Dessous fällt.

Die Landschaftsbilder der letzten Jahre sind in ihrer Ausführung noch perfekter aber dafür auch uninteressanter für die Entschlüsselung geworden. Der "Sumpf" und die ,,Hecke" arbeiten gelungen mit besonderem Licht, aber lassen keine Geheimnisse entdecken.

Besonders wirken die großformatigen und das gesamte Bild ausfüllenden Porträts mit Tochter Lioba, im Abstand von drei Jahren entstanden. Hier scheint das Gesicht selbst für ein junges Mädchen zu glatt gebügelt zu sein.

Wer vordergründig Schönes und künstlerisch brillant Gearbeitetes sehen möchte, ist in der Ausstellung mit den Bildern von Joseas R. Hermes sehr gut aufgehoben.