Worin ist das Gartenfestival, das in diesem Jahr zum zweiten Mal stattfindet, Pückler gemäß?
In vielerlei Hinsicht. In der Qualität der angebotenen Pflanzen beispielsweise. Sehr überraschend ist doch, dass unter den Ausstellern Gärtnereien sind, bei denen bereits Pückler eingekauft hat. Wenn ich an die Hortensien denke. Das ist doch unglaublich, dass diese Betriebe über einen so langen Zeitraum, 150 Jahre, so eine hohe gärtnerische Qualität aufrechterhalten konnten.

Pückler gemäß ist auch die Eleganz des Festes - es werden nicht nur Hüte verkauft, sondern Damen sollten auch die Gelegenheit nutzen, eine schöne Garderobe und ihren Hut auszuführen. Ich habe mir schon letztes Jahr einen Hut mit Blüten und Früchten zugelegt, den werde ich dieses Jahr wieder tragen - er muss sich ja amortisieren. Pückler gemäß ist es, zu flanieren, seinen Park zu betrachten und natürlich Pflanzen zu kaufen.

Warum soll es so ein Parkfest geben, was ist Ihnen wichtig?
Weil es Leuten aus der Umgebung, aber auch denen von weiter her, einen Anlass bietet, Branitz zu besuchen. Wichtig ist ein hohes Niveau dieses Gartenfestivals, das adäquat ist der schönen Umgebung, in der es stattfindet. Jörg Ackermann und pool production als Veranstalter sind da sehr zu loben, weil sie das Besondere suchen, auf Qualität achten und nicht das präsentieren, was man allenthalben in Einkaufsmärkten findet.

2011 wurde anlässlich des Gartenfestivals die Gondelfahrt eingeweiht - ist auch in diesem Jahr mit etwas Neuem zu rechnen?
Man kann in diesem Jahr mit der Kutsche durch den Park fahren. Außerdem hat das Staatstheater zwei Figuren zur Verfügung gestellt - einen Löwen und eine Chimäre - die wir versteigern. Hervorheben möchte ich das Rahmenprogramm, das außer dem Motto Fürst Pückler auch das Thema Friedrich II. aufnimmt. Schon als Replik auf die dann im Mai stattfindende Ausstellung "Friedrich der Große und Graf Brühl - Geschichte einer Feindschaft". Studierende der Hochschule Lausitz werden Kompositionen von Friedrich dem Großen zu Gehör bringen.

Nach und nach werden die vom Fürsten in Branitz erdachten Gestaltungsräume wiederhergestellt - was wünschen Sie sich für die Parkentwicklung?
Die Wiederherstellung des ursprünglichen Parks. Aber das ist natürlich nicht zu hundert Prozent möglich. Zu Pücklers Zeiten gab es sicher viel mehr eingefasste Blumenbeete. Es würde mich freuen, wenn man das in der Üppigkeit wieder zeigen könnte. Mit den berühmten Ziegelumfassungen, die heute nicht mehr modern sind, aber irgendwann bestimmt zurückkommen. Während des Parkfestivals wird ein solches Musterbeet mit den blauen Pücklerziegeln gezeigt.

In Branitz gibt es Menschen, die sich bemühen, die berühmte Baumtreppe wieder zu installieren. Die schaut auf alten Darstellungen zwar ziemlich fragil aus, man kann sich gar nicht vorstellen, dass sie benutzt worden ist, aber das scheint zu Pücklers Zeit ja funktioniert zu haben. Ich wünschte mir auch, dass die Kristallkugel, die einst den schönsten Aussichtspunkt des Parks markierte und jetzt von einer kleineren Stahlkugel ersetzt wird, dort wieder ihre ursprüngliche Wirkung entfalten könnte.

Eine zartrosa Dahlie trägt Ihren Namen - aber welche ist eigentlich Ihre Lieblingsblume?
Ich liebe Rosen. Am allerliebsten aber habe ich die Wildblumen in meinem Garten, nahe der Alpen. Diesen Garten habe ich seit über 40 Jahren, und ich habe ihn nie gedüngt. Das wäre der Tod dieser Wildblumen. Knabenkraut, Trollblumen, jede Menge Schlüsselblumen, Anemonen, Schneeglöckchen und ganze Streifen voller Märzenbecher wachsen dort. Es ist schwer, sich für eine Blume zu entscheiden: Ich liebe auch blaue Hortensien sehr. Das waren Lucie Pücklers Lieblingsblumen. Sie standen in den Amphoren vor dem Schloss. Inzwischen gibt es neue Züchtungen, die sind sensationell. Natürlich ist auch die Elke-Gräfin-Pückler-Dahlie wunderschön. Sie hat bei der Buga in München einen 1. Preis gewonnen. Ebenso wie die knallrote Fürst-Pückler-Dahlie wird sie beim Gartenfestival zu kaufen sein.

Sie waren Kuratoriumsmitglied der Bundesgartenschau in München, sind engagiert im Garden Club of Bavaria - woher kommt Ihre Liebe zu den Pflanzen, zur Natur überhaupt?
Ich glaube, die ist angeboren. Ich habe schon als Kind, wenn wir mit dem Auto gefahren sind, aus dem Fenster die Blumen bestaunt und das geht mir heute noch so. Ich weiß auch genau, wenn wir irgendwo waren, welche Blumen in welchem Garten standen. Ich habe einen Blumenblick. Wenn ich einen schönen Garten sehe, bekomme ich gute Laune. Und die Leute sind mir auch gleich sympathisch.

Sie haben offensichtlich nicht nur einen Blumen-, sondern auch einen sehr kenntnisreichen Parkblick.
Parkkenntnisse habe ich erworben, bevor ich wusste, dass wir je wieder hierher zurückkommen würden. Aber als ich Branitz dann gesehen habe - wir waren schon vor der Wende einmal hier - war ich völlig bezaubert.

Bei uns haben zwei Amerikanerinnen vor 34 Jahren einen Garden Club gegründet, in Amerika war das sehr modern. Seit dieser langen Zeit machen wir jedes Jahr eine Parkreise, bei der ausnahmsweise auch die Männer mitdürfen. So habe ich inzwischen alle schönen Parks Europas kennengelernt. Außerdem gibt es jeden Monat einen Vortrag über ein Gartenthema. Sie können sich vorstellen, dass man da inzwischen einiges Wissen angesammelt hat.

Sie widmen sich unter anderem der Erhaltung alter Arten. Warum dieses Engagement?
Sie sehen es ja bei den Rosen. Die Erinnerung an die alten Arten und ihre Kreuzung mit modernen Züchtungen haben wunderbare Ergebnisse gebracht. Neue Duftrosen sind entstanden. Die alten Arten sind wunderschön, nur eben nicht sehr widerstandsfähig. Das wurde durch die Kreuzungen verbessert. Wir, die wir hier im Branitzer Park leben, sind ohnehin angehalten, die Sorten aus der Pücklerzeit zu pflanzen. Ein moderner Flieder geht hier nicht. Auch wenn der zugegebenermaßen schöner ist.

Der Park in Bad Muskau ist schon Weltkulturerbe, Branitz macht sich auf den Weg, in die Unesco-Liste aufgenommen zu werden. Was bedeutet das für Pücklers Werk?
Pücklers Werk hat eine große Anerkennung gefunden, indem Muskau Weltkulturerbe wurde. In Welterbe Weimar ist der Fürst mit dem "Pücklerschlag" im Park Ettersburg vertreten und auch im Schlosspark Babelsberg. Pückler steckt also dreimal im Weltkulturerbe. Wenn Branitz noch dazukommt, wäre das fantastisch, aber es hat auch so seine Bedeutung. Jeder, der den Park kennt, weiß, dass er Muskau das Wasser reichen kann.

Ihr Mann ist der Urgroßneffe des Fürsten, gibt es in Ihrer Familie etwas - eine Tradition vielleicht - die auf Fürst Pückler zurückgeht?
Wir haben eine feuervergoldete Schale aus der Pücklerzeit, von der hat es immer geheißen, die wäre von der Königin Hortense de Beauharnais, der Mutter Napoleons III. Diese Schale diente in unserer Familie als Taufbecken. Auch unser Sohn wurde damit getauft. Die Geschichte dieser Schale ist erst vor wenigen Jahren entdeckt worden. Hortense hat nach der Niederlage Napoleons in Arenenberg, auf der Schweizer Seite des Bodensees, gelebt. Es scheint so gewesen zu sein, dass Pückler sie nicht nur kannte, sondern ihr auch Ratschläge für die Gestaltung ihres Parks gegeben hat. Als Dank dafür schenkte sie ihm die Schale.

Wie werden Sie das Parkfest erleben?
Zur Eröffnung am 18. Mai werden wir eine Sitzung des Kuratoriums für das Gartenfest haben. Die Ehrenpräsidentin ist Lady Leicester aus England, die riesige Gartenfestivals mit 50 000 Leuten macht. Das Kuratorium soll uns helfen, möglichst viele Menschen, auch von außerhalb, nach Branitz zu locken und die Verbindung, die Pückler nach England geknüpft hatte, wieder aufzunehmen. Am 19. kommt dann mein Gartenklub. Von Branitz aus fahren wir einen Tag später nach Muskau und ins Hirschberger Tal am Rande des polnischen Riesengebirges, um uns dort die Parks anzusehen.

Mit Elke Gräfin von Pückler sprach Renate Marschall